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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Stimmung, Allerweltsvermittler zu sein, nicht ganz entziehenkann. Wie aber das schlechteste Geld, das aus Papier, amwenigsten exportiert wird, so natürlich das beste am meisten.Darin besteht eben seine Lebensaufgabe: im Kommen undGehen. Niemand wird vorschlagen, Geld aus einem Metall zumachen, dessen Vorrat nicht durch Zufuhr vermehrt werdenkönnte. Alles aber, was von Natur zufliessen kann, kann auchabfliessen; es muss es können, sonst wäre es für seinen Zweckunbrauchbar. Seitdem der vorübergehende und noch durchbesondere Ausnahmsverhältnisse bedingte Abzug von Gold ausDeutschland im Jahre 1874 so viel ungereimten Klagen zum,Anhalt gedient, hat die entgegengesetzte Bewegung mehr alseinmal uns auch Gold in Menge wieder zugeführt, und geradewieder in den letzten Zeiten. Der grösste Teil des Goldes,welcher aus den Reichsprägeanstalten dermalen in den Verkehrwandert, kommt freiwillig anmarschiert. Die Regierung brauchtgar nichts zu thun, um es herbeizulocken, sie braucht nur ge-währen zu lassen, gerade wie sie auch gewähren liess, als eineZeitlang die andere Strömung herrschte. Von den rund 1500Millionen Mark in Gold, die wir bis jetzt ausgeprägt haben,sind rund 200 Millionen von Privatleuten geliefert worden, unddie Summe wäre noch viel grösser, wenn in der ersten Zeit;der stärksten Prägung der Staat nicht das Geschäft des Gold-importes als ein sehr einträgliches selbst betrieben hätte. Inden letzten sechs Wochen des ersten Halbjahres 1877 wurdenallein an 30 Mill. Mark Doppelkronen für Privatrechnung aufdeutschen Münzen geprägt. Sind die Länder, welche uns diesGold verkauften, eben darum weniger glücklich als wir, diewir es kauften? Wunderlicheres als die Vorstellungen ökono-mischer Art, welche in denbesten" Kreisen umgehen, giebtes freilich überhaupt nichts. Als jüngst in einer Gesellschaftdie Rede darauf kam, dass die von deutschen Reisenden in derSchweiz verausgabten Goldstücke für die Zwecke der Genfer Goldindustrie aufgekauft würden, rief einer der Anwesendenaus:Ja, wie soll das mit uns enden! Die Schweizer nehmenuns unser Gold, die Engländer kaufen unser Silber, schliesslichhaben wir kein Geld mehr!" Der Herr war offenbar der An-sicht, dass die Schweizer und die Engländer diese beiden kost-baren Zaubermittel ohne unsere Einwilligung, uns zum Trotz