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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Allerdings müssen die Lebenden sich auch mit Rücksichtauf ihre Nachkommen einrichten. Denn bekanntlich in demHeute steckt untrennbar schon das Morgen. Dass aber diePflicht, der Zukunft zu gedenken dies Wort im ernsten,nicht im übertriebenen Sinne genommen einen Grund habe,sich wegen Mangels an Gold zu beunruhigen, dies würde dienational-ökonomische Auseinandersetzung von Süss nicht dar-thun, selbst wenn sie in ihren geologischen Voraussetzungenunbestritten dastände. Was wir von Wolff erfahren, fügt nurnoch ein Übriges hinzu, damit wir uns nicht irre machen lassen.Zu diesem Zwecke allein, nicht um ihn als prinzipiellen Gegnerins Feld zu führen, ist seiner Arbeit hier gedacht worden.

Die Abhandlung von Süss ist nicht der erste Versuch, denGang, welchen die Münzpolitik der civilisierten Welt genommenhat, zu stauen und nach entgegengesetzter Richtung hin zutreiben. Sie wird auch nicht der letzte sein. Es wäre un-natürlich, sogar unerbaulich, wenn eine so merkwürdige undgrossartige kulturgeschichtliche Wendung, wie die Bekehrungder Nationen zum Monometallismus (um mit Cernuschi-VictorHugo zu reden) sich unwidersprochen vollzöge. Schon die mitden älteren Einrichtungen verwebten Interessen können nichtverfehlen, sich aus allen Kräften zu widersetzen, und danebenmuss liebgewordene Gewohnheit nicht minder wie die dok-trinäre Anhänglichkeit an alten Lehren festzuhalten versuchen.Wer möchte auch wünschen, dass so gewaltige Neuerungendurchdringen, ohne dass der advocatus diaboli alle seine Gegen-gründe erschöpft hätte? und nicht bloss der advocatus diaboli,sondern auch der Romantiker, welcher die schönen Zeiten be-klagt, da man deine Tempel noch bekränzte, Venus Amathusia?Solch ein Schlussakkord ist es, in welchen die Stimme desösterreichischen Warners ausklingt. Es ist die Pflicht des höherentwickelten Westens, so etwa heisst es da, nicht die Münzefallen zu lassen, deren Silberklang bis zu den äussersten Pfortender Sonne, zu den anderen Erdenbrüdern spricht, oder um esmit des Autors eigenen Worten wiederzugeben:

Auch gegen die Gefahren der Uberproduktion giebt esnur ein naturgemässes und friedliches Mittel, und das ist dieVermehrung der Zahl der Konsumenten. Das civilisierendeVordringen des Levantiner-Thalers am Tsad-See und am Benue,'

Bamberger, Reden u. Aufsätze. 28