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rufend, die Romanen zum Untergang verdammend — hat nichtsVerführerisches. Doch muss es immerhin gestattet sein, ge-wisse vorherrschende Züge im Charakter ganzer Nationalitäts-gruppen zu erkennen. Die Anschauung, welche im Aufbau dermenschlichen Gesellschaft mit Vorliebe das Uberlegte, Gewollte,Gemachte wahrnimmt und daher auch durchsetzen zu sollenvermeint, ist dem französierten Geiste eigentümlich und übtdeswegen den grössten Reiz auf diejenigen anderen Nationenaus, welche den Spuren des französischen Geistes gerne folgen.Es verdient nicht unbemerkt zu bleiben, dass die Idee einer aufkünstlichem Übereinkommen basierten Weltmünze von Paris aus gerade durch einen französierten Polen und einen fran-zösierten Italiener am eifrigsten umhergetragen worden. Dassdieselbe Idee nunmehr auch in Wien einen neuen Vorkämpfergefunden, dass auch Stimmen in den Niederlanden sich dafürerheben, wollen wir weniger auf dieselbe Bewandtnis zurück-führen als auf das natürliche Verlangen, für ernste Verlegen-heiten einen Haltepunkt in mächtigen Verbündeten zu suchen.Nicht so sehr wie Österreich durch seine Finanzlage überhaupt,aber immerhin noch sehr fühlbar ist den Niederlanden durchihre ausschliesslich in Silber zahlenden Kolonien der Ubergangzu gesunder Münzverfassung erschwert.
Was Nordamerika betrifft, so spielen hier andere Dingemit. Giebt es da schon längst die Partei der sogenanntenInflationisten, welche für Papiergeld schwärmen, mit dem Wahl-spruch: „Je mehr, d. h. je schlechteres Geld, desto besser", soschuf die Entdeckung der grossen Silberminen des Westens einneues Interesse, welches nun für das Silbergeld eintritt und alsein Mittelding zwischen der frivolen Papierwährung und derstrengen Goldwährung die Gleichberechtigung der beiden Metalledurchzusetzen bemüht ist. Aber wie mundgerecht es immerden Interessierten gelingen möge, ihre Vorschläge zuzubereiten,erst im Moment der letzten Fertigstellung wird die ganzeSchwierigkeit der Sache sich geltend machen. Schon jetzt heisstes, man wolle nicht das alte gegenseitige Wertverhältnis desGoldes zum Silber (in Nordamerika 15,99 zu I )> sondern einneues der Wertverminderung des Silbers entsprechendes derneuen Doppelwährung zu Grunde legen. Aber eben da mansich anschickte, hier eine bestimmte Zahl auszusprechen, würde