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klar werden, dass man damit nichts anderes thäte, als demZustande eines vorübergehenden Augenblicks eine für alle Zeitenbindende Formel zu entlehnen. Denn wer bürgt, nach allenSchwankungen, denen wir seit fünf Jahren beigewohnt, dafür,dass gerade das am Tage des Gesetzes geltende Wertverhältnisauch das der Zukunft sein werde ? Und ist es dies nicht, warumgerade die eine Zahl nehmen und nicht jede beliebige andere?Man wird umsomehr vor Feststellung eines neuen Wertverhält-nisses zurückschrecken, als die europäischen Doppelwährungs-staaten ihrerseits noch gar nicht daran denken, solche neueWertansätze einzuführen. Sollte sich nun gar die eben auf-tauchende Nachricht bestätigen, dass im alten WunderlandePotosi nach deutlichen Anzeichen neue Schätze aufgefundenworden, und dem Silbermarkt ein neuer gewaltiger Zuschussbevorsteht, so wird auch Nordamerika sich zweimal besinnen,ehe es den Salto mortale zurück in die Silberwährung unter-nimmt. Denn — und das ist das grosse entscheidende Wort,das regelmässig überhört wird — nicht im Mehr des Silbersoder im Weniger des Goldes, das heute oder morgen ins Landströmt, liegt die Ursache, welche der Gleichberechtigung desSilbers ein Ende gemacht hat, sondern in der Thatsache derimmer kürzer und heftiger gewordenen Schwankungen des ehe-mals festen Wertverhältnisses. Dieses ist zerstört auf unbe-rechenbare Zeit. Sie ist dahin, die schöne Eintracht, in derbeide Metalle in gegenseitigem Vertrauen friedvoll nebeneinanderund miteinander lebten; sie ist zerstört die schöne Welt; keinHexenmeister kann sie wieder heraufbeschwören; und wie herr-lich immer man uns die messianischen Zeiten male, in denendas Lamm weiden werde neben dem Tiger: jeder Versuch, diebeiden Metalle im festen, dauernden, gleichberechtigten Wert-verhältnis nebeneinander einzusetzen, muss zu Schanden werdenund kann nur damit enden, dass das eine dem anderen zumOpfer fällt.