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uns einmischen in die Frage der Sistierung des Silberverkaufs,dass es sich für uns im Augenblick darum nicht handelt.
Meine Herren, noch viel mehrl Das Wichtigste hätte ichIhnen beinahe zu sagen vergessen, weil die Thatsachen undUmstände sich so zusammendrängen, dass ich im Augenblicknicht dafür stehen kann, ob ich Ihnen auch nur das WichtigsteSage, was durch die ungerechten Vorwürfe des Herrn Reichs-kanzlers angeregt worden ist. Als in der vorigen Woche dieseDepeschen nach einander eintrafen, und dazu die entsprechen-den 'Berichte in den Zeitungen und die Präokkupation hier imHause traten; als von den verschiedensten Seiten — und esstehen ja auch die Herren von der anderen Seite, mit denenwir keine politische Gemeinschaft haben, unter der Inter-pellation — gedrängt wurde, Licht in die Dinge zu bringen,versammelten sich eine Anzahl Mitglieder dieses Hauses, 8 oder10, die von jeher gewohnt sind, sich mit diesen Dingen zubefassen, und berieten über die Frage, ob eine solche Inter-pellation zu stellen sei. Das war vergangenen Freitag in einemFraktionszimmer dieses Hauses. In dieser Privatberatung er-klärte ich, dass ich nur dann zur Stellung der Interpellationmich entschliessen könnte, wenn vorher der Regierung Gelegen-heit gegeben würde, sich über dieselbe zu erklären, und ichhatte die Mehrheit der Ansichten für mich, es war darüberMeinungsverschiedenheit, es waren andere da, welche glaubten,private Beruhigung würde zur Beschwichtigung der öffentlichenPräokkupation nicht ausreichen — aber die Mehrheit der achtoder zehn Mitglieder des Hauses, die sich mit dem Gegenstandebeschäftigt hatten, waren meiner Ansicht, und es wurde Freitagsbeschlossen, den Herrn Abgeordneten Delbrück als denjenigen,der das Wort eventuell zu führen hatte, zu bitten, das Präsidiumdes Reichskanzleramts zu benachrichtigen (hört! hört! links), essei die Absicht, eine solche Interpellation zu stellen, falls unsnicht Zusicherungen gegeben würden, die sie für unsere Über-zeugung als entbehrlich erscheinen liesse. Der Herr Abge-ordnete Delbrück übernahm die Mission. Am Sonnabend frugich, ob er Antwort habe; er erklärte mir, der Herr Präsidentdes Reichskanzleramts habe ihm gesagt, er hätte den Reichs-kanzler noch nicht sprechen können und vertage seine Antwortauf Montag. Am Montag erhielten wir Bescheid durch den