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dass es durchaus in dieser grossen Operation nicht die richtigePolitik ist, anzunehmen, man könne die öffentliche Meinung unddie sehr scharfsinnigen Mitinteressenten in diesen Dingen durchfalsche Manöver überlisten, wenn man es auch für erlaubt hielte,solche Manöver zu machen. So klug wie wir, sind die Herrenauf dem amerikanischen, englischen und indischen Silbermarkteauch, wichtig für sie ist die Entscheidung nur, wenn sie dieBedeutung haben kann, die ihr die öffentliche Meinung unter-legt hat. Nun würde ich ja mit der grössten Freude heute eineErklärung des Reichskanzlers entgegengenommen haben, dasser der Ansicht wäre, es läge kein Grund zu einer Beunruhigungin dem Sinne vor, dass eine Absicht vorwalte, zu etwas wieeine grundsätzliche Veränderung unseres Münzgesetzes überzu-gehen, und ich will hier gleich einfliessen lassen, dass der pro-zessualische Einwand, dass das Wort „Regierung" bei der Inter-pellation gebraucht worden sei, mich sehr wenig unglücklichgemacht hat. Zunächst ist durch einen lapsus das Wort„Reichs" weggeblieben und sollte heissen „Reichsregierung",aber das ist jedem klar, dass gemeint ist, auch wenn es ge-heissen hätte, „die verbündeten Regierungen", „der Herr Reichs-kanzler". Hätten wir eine aufrichtige den Thatsachen ent-sprechende Sprache sprechen dürfen, so hätten wir gesagt: be-absichtigt der Herr Reichskanzler etwas an der Münzgesetz-gebung zu ändern ? Denn, ohne den verbündeten Regierungenoder dem Hause zu nahe treten zu wollen, ich glaube, es sinddoch geschichtliche Erfahrungen in der neuesten Zeit genug ge-macht worden, welche zeigen, wie ausserordentlich wichtig esist, wenn der Herr Reichskanzler sich schon klar darüber ge-worden ist, dass er etwas will, und ganz abgesehen davon, ober im stände gewesen wäre, die verbündeten Regierungen undden Reichstag zu seiner Meinung zu bekehren, meine Herren,so hätte das blosse Bekanntwerden seiner persönlichen Absichtschon genügt, um dieselbe durch den organischen Gang derDinge in der Welt zur Wahrheit zu machen, denn sowie dieWelt erfahren hätte, der Herr Reichskanzler, den sie draussennoch viel mehr als in Deutschland als die Omnipotenz fürDeutschland betrachten, — ich sage das nicht in dem Toneines Vorwurfs gegen den Herrn Reichskanzler; wenn ein Vor-wurf darin läge, so wäre er höchstens gegen die Nation ge-