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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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richtet, nicht gegen den, dem eine solche Macht von der Nationzugetragen wird, und der sie menschlich nach bestem Wissenund Gewissen anwendet und ausnutzt; es ist das absolut keinSarkasmus, es ist rein die Konstatierung der Thatsache ; dieWelt sieht den Fürsten Bismarck für den an, der omnipotentüber Deutschlands Geschicke verfügt, und wie gesagt, ich sagedas nicht mit dem leisesten Ton einer Ironie gegen den HerrnReichskanzler; ich sage, wenn die Welt das erfahren hätte, dassder Herr Reichskanzler die Absicht hat, Deutschland zur Silber-oder Doppelwährung zurückzuführen, so würde sie den nächstenTag gesagt haben: folglich bekommt Deutschland die Doppel-oder Silberwährung, und eine Reihe deutscher Blätter hätteHosianna angeschlagen und erklärt: nun kann auch nicht mehrder geringste Zweifel herrschen. Was ich in der Stille meinesHerzens gedacht hätte, gehört hier nicht zur Sache.

Was wäre dann aber die Folge gewesen? Sofort hättedas Ausland sich gerüstet, sich auf die neue Sachlage einzu-richten ; er hätte alles, was es von Deutschland zu fordern hat,in der Furcht, dass im entwerteten Gelde in Zukunft gezahltwerde, zurückgezogen; es wäre ein Rennen auf die Bank ge-kommen und auf die einzelnen Banken, um das Geld heraus-zuziehen, und wir hätten, ehe die Massregel beschlossen oderbeantragt worden Wäre, faktisch einen solchen Zustand gehabt,welcher dazu genötigt hätte, aus Not schon zu dieser ver-zweifelten Massregel zu greifen.

Aus diesen Gründen war es wahrlich sehr angezeigt, jedenVerdacht dieser Art aus der Welt zu entfernen und namentlichdem Herrn Reichskanzler Gelegenheit zu geben, hier so, dasses die Welt hören konnte, zu erklären, dass etwas dergleichenihm nicht in den Sinn komme. Nun bin ich ausserordentlichgeneigt und wünsche aufs lebhafteste gerade diesen Sinn seinerErklärung aufs stärkste auszunutzen und zu betonen. Ich darfaber, da man ja in öffentlichen Dingen unnötig Versteckensspielt, auch nicht verbergen, dass die, welche seine Erklärunglesen werden, an einem kurzen Satze Anstoss nehmen werden,und ich möchte nun, da doch einmal die Dinge so gekommensind, und er wünscht, es möchte die Sachlage aus dem heutigenMeinungsaustausch möglichst ungeschädigt hervorgehen, somöchte ich ihm Gelegenheit geben, auch diesen Zweifel hier