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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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geschlossen war, meine Herren, was hat er denn gethan? Erhat sich mit Hängen und Würgen auf sechs Jahre verlängertunter der ausdrücklichen Bedingung, dass alle Staaten sich ver-pflichteten, keine neuen Silbermünzen während dieser sechs.Jahre zu prägen, und es soll der Widerspruch eines einzigenStaates genügen, um dieses Verbot aufrecht zu erhalten.Wenden wir uns nach Osterreich , meine Herren, wie sind denadie Sachen in Osterreich ? In Österreich ist es soweit ge-kommen; dass das Papier dem Silber entschieden vorgezogenwird, und dass der österreichische Finanzminister in dem öster-reichischen Reichsrat erklärt hat, er habe die Silberausprägunginhibiert, damit nicht ein Agio des Papiers auf Kosten des.Silbers herbeigeführt werde. Meine Pierren, so steht es inÖsterreich , dass das Papier, das an und für sich nichts wertist, im Kurse höher steht wie Silber, ganz einfach aus demGrund, weil das Papier seiner Zahl nach beschränkt ist unddeswegen im Verhältnis zu dem Geldbedürfnis steigen kann,während das Silber wegen seiner ewigen Depreziation immernachgeliefert werden kann, und kein Strich gezogen ist, unterden es nicht zurückkommen kann, so dass die Staaten, die dieeinfache Goldwährung verlassen Wollten, in der That besserthäten, zur Papierwährung überzugehen, als heute zur Silber-währung überzugehen, die sie in der Ausnutzung gar nichtmehr in der Hand haben. Der Zufall wollte, dass gerade amgestrigen Abend, am Vorabend unserer heutigen Diskussionmir noch ein Aktenstück durch die Güte des Verfassers zu-geschickt worden ist, das hier die Herren aus dem Centrumauch ein wenig beachten werden; es ist von einem der grösstenKenner des Münz- und Finanzwesens in Europa , aber einerIhrer tapfersten und besten Gesinnungsgenossen, meine Herrenvom Centrum, das ist der ehemalige Minister Malou in Belgien ,der durch die neue Ära aus seinem langjährigen Präsidiumverdrängt worden ist und bis dahin die Finanzen Belgiens ge-führt hat. Herr Malou ist auch ein Anhänger der Doppel-währung, er hat sie in der lateinischen Münzkonvention be-ständig vertreten, und nun hat er erst im April dieses Jahres,eine historische Notiz über die deutsche Münzreform heraus-gegeben, die mir gestern Abend durch seine Güte zugegangenist. Er sagt am Schluss derselben :