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dass er niemals oder nur ganz vorübergehend, wie dies überallin der Welt mal geschieht, an die Stelle gekommen ist, wounser Metall auswandert.
Ich frage Sie, meine Herren: wo ist unter solchen normalenZuständen der Zwang, irgend etwas an dem Bestände der Dingezu ändern, daran zu rütteln •— auf Grund von Ideen? Ichweiss ja sehr gut, dass jeder seine Idee für die richtige hält,und ich will die meinige nicht als mehr berechtigte meinemGegner gegenüber hinstellen, als er die seinige. Aber, meineHerren, Sie werden mir zugeben, selbst nach der Rede, dieHerr von Kardorff gehalten hat, und in der alles zusammenge-tragen war, was dazu geeignet sein könnte, Sie günstig fürseine Sache zu stimmen, — nach der Rede werden Sie mirzugeben: Sie haben es bloss mit Plausibilitäten im besten Fallezu thun; Sie haben es zu thun mit einer Menge künstlich aufdie Spitze gestellter Probleme, von denen man behauptet, wenndies und das einträte, würde dies und jenes die Folge sein;und die Faktoren, mit denen Sie hier rechnen, sind so unge-heuer weittragender Art, sie greifen so tief in alle Verhältnisseder ganzen Weltbewegung ein, dass die Wahrscheinlichkeit, sichdarin zu irren, im besten Falle eine unendlich viel grössere ist,als die Wahrscheinlichkeit, recht zu sehen. Und deswegenglaube ich, dass für einen gewissenhaften Mann von dem gegen-wärtigen positiven Standpunkte unserer ruhigen, normalenExistenz aus schon das Bedenken, auch wenn ihm die Ideen,die hier vorgebracht sind, einleuchten, wenn sie seinen Ge-danken schmeicheln, die Warnung sehr gross ist, sich nicht aufExperimente einzulassen auf dem Gebiete, welches den aller-sichersten, allerunentbehrlichsten Grundstein der wirtschaftlichenExistenz einer Nation bildet.
Meine Herren, die Theorie, auf welche sich unsere Gegnerstützen, ist an sich, wie sie selbst zugeben, sehr zweifelhafterArt. Herr von Kardorff hat heute von dieser eigentlich seinerganzen Polemik zugrunde liegenden Theorie nicht gesprochen;ich muss ihrer deshalb mit einer Silbe erwähnen. Man nenntsie in der Münzwissenschaft die „Quantitätstheorie". Sie ruhtnämlich in der Behauptung, dass die Preise der Dinge ganzgenau steigen und fallen im Verhältnis zu dem Vorrat anumlaufenden Cirkulationsmitteln, dass, sowie die Cirkulations-
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