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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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mittel, seien sie nun Metall oder Papier oder sonstige Repräsen-tativzeichen, sich in der Menge vermehren, sowie sie in derMenge herabgehen, die Preise steigen oder fallen müssen.Die Quantitätstheorie ist, wenn ich nicht unvollständig orien-tiert bin, in der Wissenschaft beinahe allgemein in ihrer ab-strakten Giltigkeit nicht mehr anerkannt; und wenn ich nichtsehr irre, erstreckt sich diese Anschauung auch auf die Ge-biete, auf denen Herr von Kardorff zu Hause ist, auf dieBimetallisten.

Die wissenschaftlichen Bimetallisten haben meines Wissensin den letzten Jahren die Quantitätstheorie nicht vertreten; eswird auch ausserordentlich schwer, diese Quantitätstheorie zuvertreten gegen die Unberechenbarkeit derjenigen Mittel, dieheutzutage zugleich wie Geld im Verkehr wirken.

Zunächst will ich aber darauf hinweisen, dass, selbst ange-nommen, man hält diese Quantitätstheorie, die Theorie, dassdurch die Verminderung der Cirkulationsmittel die Preise fallenmüssen, für richtig, dass, selbst angenommen, diese Quantitäts-theorie sei noch jetzt als in Kraft anzuerkennen, wir keinenGrund haben, in Deutschland daraus zu schliessen, dass unsereGeldcirkulation im Vergleich zu dem, was vor der Münzreformgewesen ist, eine schlechtere, geringere, unbeträchtlichere seials heute. Meine Herren, gerade umgekehrt die Ziffern, dieder Herr Regierungsvertreter vorhin gegeben hat, stimmen jaauch damit überein: es kann kein Zweifel sein, selbst Herrvon Kardorff wird mir das nicht bestreiten, die Summe derCirkulationsmittel, über welche Deutschland jetzt verfügt, istsehr bedeutend viel grösser als diejenige, welche es vor derMünzreform besessen hat, sie ist, gering geschätzt, 6- bis 700Millionen Mark grösser, ein Drittel etwa grösser, als was frühervorhanden war. Ich will auf die Streitfrage, welche zwischenHerrn Schraut und Herrn von Kardorff ausgefochten wordenist, nicht näher eingehen; ich glaube, dass die Wahrheit, wieich auch aus den Andeutungen des Herrn Schraut entnehme,der Vermutung nach denn wir bewegen uns hier ja aufeinem ganz konjekturellen Felde ziemlich in der Mitte liegt,und ich bin mit Herrn Schraut einverstanden, dass ein red-licherer und weniger sophistischer Vertreter des Bimetallismusals Herr Ottomar Haupt nicht zu finden wäre. Er giebt