Druckschrift 
Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
469
Einzelbild herunterladen
 

wenn ich seinen neuesten Berichten, die im englischen Economist "veröffentlicht sind, folge als Summe aller deutschen Gold-münzen, die in fremden Banken liegen oder in fremden Münzeneingeschmolzen worden sind, an: 205 Millionen Mark. Er rechnetdas ganz genau nach. Herr Haupt ist ein alter Praktiker aufdiesem Gebiete; er hat genaue Kenntnisse in Münzsachen, imWeltgeschäft in Gold- und Silberbarren, er hat sich von jeherdamit beschäftigt, er hat seine Verbindungen in allen Haupt-städten Europas und hat offenbar aus den besten Quellen ge-schöpft. Als er dies angab, führte er alle einzelnen Banken undMünzstätten an, und ich habe das volle Zutrauen, dass errichtige Ziffern gegeben hat. Sie betragen nach meiner Addition205 Millionen in Gold. Was dazu noch zu industriellen Zweckeneingeschmolzen ist, ja, meine Herren, das ist, wie auch dortschon bemerkt wurde, ausserordentlich schwer zu erraten. Wirhaben ein einziges Land, in dem annähernde Untersuchungengemacht worden sind, die etwas wie Wahrscheinlichkeit fürsich haben, das ist Nordamerika . Der dortige oberste Beamtefür diese Angelegenheiten hat sich seit Jahren damit beschäftigt,an alle diejenigen, welche edle Metalle verarbeiten, Cirkulare zuerlassen, um ihm mitzuteilen, wie viel sie von Gold und Silbereinschmelzen jährlich. Er hat nur von einem Teile derselbenAntworten bekommen, und selbst bei dieser angestrengten Sorg-falt ist er nicht im stände gewesen, eine definitive, zuverlässigeAuskunft zu geben. Auch Herr Soetbeer mit seinem Bienenfleiss,seinem Scharfsinn uncl seiner Gewissenhaftigkeit hat in diesemPunkte eine Reihe von Untersuchungen angestellt; auch er ver-mag nicht mit Gewissheit, wie er selbst bekennt, zu sagen, wiegrosse derartige Beträge jährlich verwendet werden.

In einem Punkte muss ich unbedingt Plerrn Schraut zu-stimmen, nämlich darin, dass der Verbrauch unserer Zwanzig-markstücke für die Industrie im Laufe der Jahre zurückgegangensein muss, und es liegt ganz auf der Hand, dass, als dieZwanzigmarkstücke noch neu ausgeprägt waren, sie ganz natür-lich einen grösseren Vorteil für den Goldarbeiter boten, der sieeinschmolz, als nachdem sie eine Zeit lang in Cirkulation sindund von ihrem Vollgewicht schon etwas, wenn auch noch nichtviel, verloren haben. Ich glaube wahrlich nicht zu niedrig zugreifen, wenn ich annehme, dass ausser diesen 205 Millionen