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noch 95 Millionen eingeschmolzen worden sind im Laufe derZeit. Das wäre sehr viel, das würden 300 Millionen sein, dieabgegangen wären von unseren 1922 Millionen ausgeprägterGoldmünzen. Dazu kommen 75 Millionen, die in der Reichs-bank liegen, das macht also 2 Milliarden weniger 300 Millionen,gleich 1700 Millionen in Gold, und das ist im Verhältnis zuanderen Ländern ein sehr guter Vorrat, mit dem wir aucheinstweilen zufrieden sein könnten, wenn wir nicht schon aus denThatsachen sähen, dass alles bei uns normal und ungestört vonstatten geht. Nun rechnen die Herren aber in ihrer pessimistischenTheorie — es ist nämlich sehr merkwürdig, erlauben Sie mir,diese kleine Parenthese einzuschalten: Herr von Kardorff undseine Freunde haben eigentlich zwei Gesichter; wenn hier vomSchutzzoll die Rede ist, steht immer Deutschland in Blüthe,da geht alles herrlich, da ist seit 1879 alles in Schönheit undin Freuden, und wir haben nur Grund zufrieden zu sein;kommen wir aber zu der Währungsfrage, so sind wir in demPfuhl der Hölle versunken und alles ist furchtbar; man mussdas nach Tagen unterscheiden, nach Währungstagen und Zoll-tagen, nach den einen sind wir im Himmel, nach den anderenin der Hölle. (Heiterkeit.)
Wenn ich auf die technische Frage selbst zurückkomme:die Herren, die behaupten, Deutschland sei zurückgegangen inden Währungsverhältnissen, können es schon deshalb nicht wahrmachen, weil wir eine effektiv viel grössere Summe von nütz-lichen und gebrauchsfähigen Zahlungsmitteln haben, als wirvor der Münzreform hatten; unsere Zustände haben sich eminentdem Inhalte und dem Umfange nach gebessert. Da die Herrendies nicht widerlegen können, so werfen sie sich auf denganzen Weltverkehr und sagen: durch die Einführung derGoldwährung, welche zwar ausser in England und Skandinavien nirgends vollständig praktisch geworden ist, welche aber that-sächlich in der Welt als Währung gilt — darin bin ich ganzmit Herrn von Kardorff einverstanden, — dadurch haben wirdie Menge der Cirkulationsmittel, der Geldmittel, deren sich derWeltverkehr bedient, so plötzlich auf eine ungehörige Weiseverringert, dass natürlich die Folge sein muss eine Preissteige-rung des Goldes und eine Preisverminderung der Waren, alsoein Mangel an Cirkulationsmitteln. Dabei vergessen die Herren