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der Entwertung des Silbers; und man stützt sich dabei nament-lich auch auf den Punkt, dass hier die agrarischen Interessenam meisten beteiligt sind.
Ich will auch hier, da ich ja unmöglich alles sagen kann,was mir zu passe kommen könnte, nur aber eine beiläufige Be-merkung einschalten. Herr von Kardorff hat heute offen bekannt,dass diese bimetallistische Bewegung im einseitigen agrarischen— wie ich hinzusetze, vermeintlichen — Interesse gemacht wird.Das wurde vor einigen Jahren bestritten. Ich habe vor 3,4 Jahren den Herren drüben vorgehalten, dass sie diese Be-wegung im vermeintlichen Interesse der agrarischen Produktionmachten, und sie haben auf das Feierlichste dagegen protestiert;Herr von Mirbach namentlich, einer ihrer eifrigsten und schärfstenVertreter, hat mit ausdrücklichen Worten hier im Reichstageerklärt, es sei ganz falsch, wenn hier behauptet wird, dieagrarischen Bimetallisten ständen auf einem besonderen Stand-punkt, sie verträten Sonderinteressen; er behauptete vielmehr,sie hätten gar keine sonstigen Beweggründe als die allgemeinen.Ich will das hier nur einschalten, um zu zeigen, wie die Stand-punkte sich verändern. Ich weiss ja, es ist heutzutage beinaheEhrensache, dass man wenigstens alle zwei Jahre seine Meinungändern muss; sonst ist man kein denkender Mensch. Nunexemplifiziert man hauptsächlich darauf — und Sie finden dasauch, glaube ich, in den Petitionen, die dem Bundesrat „zurhochgeneigten Kenntnisnahme" überreicht worden sind —, dassdie Ausfuhr von Weizen aus Indien seit dem Jahre 1873erst ihren Aufschwung genommen habe, d. h. seit dem Moment,wo Deutschland zur Goldwährung übergegangen sei. Nun istsehr merkwürdig, dass im Jahre 1873 noch etwas passiertist, wovon weder die Reden noch die Petitionen, die sich mitdiesen Dingen beschäftigen, bis jetzt nach meinem Wissen Er-wähnung gethan haben. Es ist nämlich im Jahre 1873 durchVerfügung der indischen Regierung der Ausfuhrzoll aufWeizen aufgehoben worden. Das war der Grund, wes-halb damals erst die Bewegung anfing. Ich weiss wohl, dieHerren haben das wahrscheinlich nicht absichtlich verschwiegen;denn wenn sie es in ihren landwirtschaftlichen Versammlungenauch gesagt hätten, so hätten die doch einstimmig angenommen,was man ihnen vorgeschlagen hätte, — da kommt es auf ein