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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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515
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die Billigkeit und Gerechtigkeit verbieten Ihnen das. Wie wollenSie es denn rechtfertigen, dass die Vorteile, die aus der Reichsbankgewonnen werden, ganz dem Reiche zufallen, die Vorteile aber,die aus der bayerischen, sächsischen und anderen Banken er-zielt werden, nicht dem Reiche zufallen? Wie wollen Sie esrechtfertigen, dass Sie hier mit zwei verschiedenen Massstäbenmessen? Das ist nicht durchführbar. Und dann, glauben Sienicht, dass die grössten Reibungen und die gefährlichsten Kolli-sionen für die ganze Praxis daraus entstehen könnten, wennauf der einen Seite stünde eine absolut verstaatlichte Reichs-bank, auf der andren die anderen Banken mit ihren Interessen ?Stellen Sie sich das nur nicht leicht vor, in welchen Konfliktwir hier kommen könnten!

Es giebt noch einen dritten Punkt, der hier sehr ins Ge-wicht fällt; das ist die Frage der Kontingentierung. Von derhat auch keiner der Herren bis jetzt gesprochen. Ich weissnicht, ob der Reichstag in seiner jetzigen Mehrheit für dieKontingentierung ist oder nicht. Ich war ursprünglichnicht dafür. Ich bin kein fanatischer Anhänger der Kontingen-tierung; aber ich stehe hier wie in der ganzen Gesetzgebung aufdem Boden, dass ich sage: was gut ist, wollen wir gut lassen; dieBank hat bis jetzt gut funktioniert; die Kontingentierung miteiner Steuer von 5 Prozent über eine gewisse unbedeckte Noten-summe hinaus hat wenigstens nicht geschadet; wir wollennicht ohne Not ändern, wir wollen die Dinge lassen, bis derGegenbeweis uns aufgedrängt wird, dass etwas geändert werdenmuss. Meine Herren, die ganze Kontingentierung fällt aber,wenn Sie eine verstaatlichte Reichsbank machen; Sie könnendas Reich nicht zu Steuern an sich selbst verpflichten. WennSie aber die Kontingentierung bei der Reichsbank auiheben,müssen Sie sie auch für die Privatbanken aufheben. Sie sehenalso, meine Herren, man kann da nicht so auf den blinden Zu-fall hinaus einen Griff in einen wohldurchdachten Organismusmachen, der seiner Zeit aus einem Gusse mit Berücksichtigungaller seiner Teile konstruiert worden ist, in den man nunwegen dieser oder jener theoretischen Liebhaberei eineBresche zu legen verlangt. Das würde sich in jeder Weiserächen.

Meine Herren, glauben Sie nur nicht, dass das ein reines