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nicht. Im Jahre 1878 war eine Einladung an sämtliche Staatenergangen betreffs einer Einigung in einer internationalen Münz-konferenz, und die deutsche Regierung hat das einfach ignoriert.Im Jahre 1881 hat sie sie beschickt, aber gerade so in platoni-scher Weise, wie es die gegenwärtige Regierung der BrüsselerKonferenz gegenüber gethan hat. Die paar Äusserungen, diedamals in Paris gefallen sind — und ich werde noch daraufzurückkommen —, ändern 'an der Sache gar nichts. Aberdass die deutsche Regierung überhaupt Delegierte dahin ge-schickt hat, ein Mitglied des Reichsschatzamts, ein Mitglied desReichsbankdirektoriums, zeigt doch schon ein Entgegenkommen;das zeigt ein Interesse, das zeigt guten Willen.
Was hat nun der Vertreter der deutschen Regierung inBrüssel erklärt und zwar gleich in der zweiten Sitzung, nach-dem die erste mit blossen Solemnitäten und Formalitäten aus-gefüllt war? Der Herr Graf von Alvensleben erklärte:
Da Deutschland mit seinem Münzsystem zufriedensei, so sei es nicht die Absicht, die Grundlage des-selben zu ändern. Die Kaiserliche Regierung verkenntindessen nicht, dass die bestehenden Schwankungen— ich übersetze —
und die Bedeutung des Niederganges des Silbers sehrbedauernswert sind vom ökonomischen Standpunkteaus, und dass es sehr nützlich wäre den ökonomischenVerhältnissen des Reichs selbst gegenüber, wenn demauf eine dauerhafte Weise abgeholfen werden könnte.Von diesen Betrachtungen ausgehend hat die Kaiser-liche Regierung geglaubt, der Einladung der VereinigtenStaaten Folge geben zu sollen. Immerhin in Anbe-tracht der monetär befriedigenden Lage des Reichs hatdie Kaiserliche Regierung die strikteste Reserve ihrenDelegierten auferlegt, welche infolgedessen weder anden Verhandlungen noch an den Beschliessungen sichbeteiligen sollen.
Sie haben aus dem Passus, den der Herr Reichskanzlervorgelesen hat, in welchem Fürst Bismarck Herrn Schraut imJahre 1881, als zu weit gegangen, etwas reprimierte, schon ge-sehen, dass die damalige Reichsregierung in einer Lage, die