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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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bis man Gold dafür ausprägen könne, durch mit Silber oderGold gedeckte Münzscheine, wie sie Holland einst gemachthatte, interimistisch zu ersetzen. Mittels einer solchen Mani-pulation hätte man den gesamten Vorrat an Thalern und Guldenschnell verkaufen und in wenigen Jahren Preise erzielen können,welche viel höheren Erlös, als später möglich war, gebrachthätten. Aber trotzdem mich einige Kollegen, wie der Abge-ordnete Hammacher und der verstorbene Harnier, darin kräftigunterstützten, war selbst ein so kundiger und scharfsinnigerKopf, wie Otto Michaelis , als Vertreter der Reichsregierung,nicht für die Idee zu gewinnen. Ihre Durchführung hätte demDeutschen Reich einen Gewinn von mindestens dreihundertMillionen Mark bedeutet. Auf Indien ruhte, wie ich schon imJahre 1871 im Reichstag nachwies, unsere Hoffnung für dieAblagerung des freiwerdenden Silbers; Indien hat uns auchmittelbar oder unmittelbar das meiste abgenommen. Mitte dersiebziger Jahre stockte der Abfluss, weil das Mutterland England mit seinen Operationen dazwischen kam. Dann folgte, zuunserem Glück, das Unglück, das Indien traf, die grosse Hungers-not, die massenhaft Geldsendungen nach Indien notwendigmachte, den Silberpreis dadurch wieder in die Höhe trieb. Diearmen Hindus mussten wieder gut machen, was die Saumselig-keit der deutschen Reichsregierung unter der Führung despreussischen Finanzministers verdorben hatte; damals wurdenwir das Dickste los. Seit dem Abderitenstreich von 1879 sindwir dann auf einen Rest von Thalern sitzen geblieben, der unsmehr zur Schande als zum Schaden gereicht. Wenn man be-denkt, wie nah wir oft der Gefahr waren, den kleinen Abderiten-streich mit dem grossen, den uns die Bimetallisten empfahlen,zu krönen, müssen wir doch unser Glück preisen.

Die neuesten Telegramme bringen die Meldung, der bel-gische Premierminister habe auf Anfrage in der Kammer erklärt,die im Dezember auf den Mai vertagte und vom Mai wiederauf den November vertagte internationale Brüsseler Konferenzwerde trotz allem wieder zusammentretenunentwegt"würde es im grossen Stil heissen. Das verspräche ja sehramüsant zu werden. Vor kurzem haben die Delegierten derSchweiz , welche jener Brüsseler Konferenz beiwohnten, ihremBundesrat einen ausführlichen und gewissenhaften Bericht er-