Druckschrift 
Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
603
Einzelbild herunterladen
 

Das Einzige, was noch nicht in der Kommission erörtert wurde,sind die paar Worte, welche der französische Minister Ribot inder Kammer vom 4. Februar zum Besten gegeben. Es ist inder That bis jetzt noch nicht dagewesen, dass einige von einemMinister des Auslandes in die Diskussion geworfene Worteeinen so mächtigen Eindruck auf die deutsche Reichsregierunggemacht hätten, wie das aus den sich darauf stützenden Wen-dungen unseres Schatzsekretärs sich abspiegelt. Herr Ribot istein sehr respektabler Mann, dem man ein nach französischemMassstab möglichst langes Regiment wünschen kann. Aber alsNationalökonom oder gar als Kenner in Währungssachen hatihn bis jetzt noch niemand gekannt. Er hat einfach seine Angelnach seinen Agrariern ausgeworfen. Und nun soll er auf ein-mal im Handumdrehen eine Autorität für das Deutsche Reichwerden. Ja, es wird uns vom Grafen Posadowsky zu Gemütgeführt, dass dieser französische Minister die Schuld am Nieder-gang des Silbers der deutschen Münzreform zuschiebe. Wennwir uns von dergleichen hätten erschüttern lassen wollen, wärees längst um uns geschehen. Um auf solche Stimmen zu hören,dazu brauchte man freilich keine Reichskommission einzusetzen.Ich könnte vom Grafen Posadowsky fordern, dass er mirmeineLegionen" wieder gebe, meine Zeit aus 19 Sitzungen von 21,die ich mitgemacht. Aber ich bin nicht so unbillig. Ichwusste im voraus, dass es verlorene Zeit und Mühe war, prolana Caprivi könnte man sagen, nur weil der Kanzler ein-mal im Kampfe für die Handelsverträge diesen Bissen hinge-worfen hatte.

Alle diejenigen, welche ein Interesse haben, dass Deutsch-land auf seine Kosten ihre Silberschmerzen heile, reiben sichjetzt im Stillen die Hände. Vielleicht kommt uns eines dabeizu statten. Die deutsche Politik und Diplomatie ist seit derGründung des Reiches in den Ruf grosser Klugheit gekommen.Wenn sie etwas scheinbar Dummes thut, werden ihre zahl-reichen Gegner glauben, es müsse eine grosse Schlauheit da-hinter stecken, und sie sollen überlistet werden. Es wäre un-patriotisch, ihnen diese Meinung zu benehmen.