Haltung der ganzen Rede denselben Eindruck hervorbringenmussten. Wie anders hat sich der englische Schatzkanzler so-eben im Unterhause gezeigt!
Dieses Auftreten erscheint um so bedenklicher, wenn mandie jüngste Vorgeschichte der Sache in Betracht zieht. AlsEnde 1893 das Reich die Silberkommission berief, wurde derenAufgabe eng darauf beschränkt, Mittel zur Hebung des Silber-preises zu entdecken. Von einer Anzweiflung der ganzen Grund-lage war mit keinem Wort die Rede. Ganz im gleichen Geistewaren die Eröffnungs- und die Schlussrede des Grafen Posa-dowsky in der Kommission gehalten, und noch als vor Kurzem,im November, die „Nordd. Allg. Zeitung" die wohlfeile Ausgabeder Protokolle dem Publikum ankündigte, geschah es mit deroffiziösen Empfehlung, dass man sich daraus belehren möge, wieschwierig das ganze Problem sei.
Beim Studium der Protokolle drängt sich die gleiche Schluss-folgerung auf. Sicherlich wird keinem Leser der Eindruckbleiben, die Verhandlungen hätten den Vorsitzenden zu demSchluss hingedrängt, dass unsere Münzgesetzgebung eine ver-fehlte sei. Ein angesehener ausländischer Gelehrter, ProfessorJ. dAulnis de Bourouill in Utrecht , veröffentlichte vor kurzemeinen Bericht über unsere Protokolle*). Zum Schluss sagt er:sein Eindruck sei, dass durch diese Enquete die Aussichten desBimetallismus nicht gebessert seien; er belegt seine Auffassungmit Stellen aus den Resumes des Reichsschatzsekretärs. Eswar gewiss des letzteren Aufgabe, bei seinem Vorsitz in derSilberkommission strenge Unparteilichkeit walten zu lassen, undniemand hat offener anerkannt als ich, wie sehr ihm das ge-lungen. Aber ich muss doch hinzusetzen: wenn er damalsschon so ungünstig über die Goldwährung dachte, wie es ausseiner Rede vom 16. Februar durchzublicken scheint, so hat ereine ungeheuere Selbstbeherrschung ausgeübt, und in der Kunst,seine Gedanken zu verbergen, war der selige Talleyrand nurein Kind gegen ihn.
Haben aber seine Zweifel neue Nahrung erst seit demJuni vorigen Jahres bekommen, so ist die Erklärung nicht leicht.