gewichen worden. Selbst bei den leidenschaftlich bewegtenSzenen, welche die Sistierung der Silberverkäufe im Juni 1879hervorrief, hat sich der damalige Kanzler nicht einen Augen-blick dazu verleiten lassen, das Fundament der Währung durchseine Anzweiflung zu erschüttern. Nicht einmal den Satz vonder kurzen Decke hat er selbst ausgesprochen, der Ministerv. Scholz hat ihn nur als von ihm herrührend erwähnt. Under bedeutete nie, dass die Münzreform ein Fehler gewesen,sondern nur die Frage nach dem Hindernis, das ihr möglicherWeise entgegenstehen möchte. Aber vollends gegenüber demAusland, gegenüber den Staaten, mit denen es zu Verhandlungenkommen konnte, die Richtigkeit des eigenen Gesetzes in Fragezu stellen, das konnte Fürst Bismarck sich niemals beikommenlassen. Wie peinlich hat er seinen Vertretern im Ausland darindie strengste Vorsicht eingeschärft! Er war viel zu viel Staats-mann, um, selbst wenn er die eigene Position für schwach ge-halten hätte, ihr eine solche Blosse zu geben. Und wie vielweniger war damals noch unsere Währung befestigt, als heute,wo Graf Posadowsky sie vor dem Ausland anklagt. Ob derSchatzsekretär diese Anklage in der Form des Zweifels oderder schlichten Behauptung vorgetragen, ist von ganz unter-geordneter Bedeutung. Einen solchen Zweifel an der Richtig-keit und Widerstandsfähigkeit seines Landesgeldes darf einMinister vor dem In- und Ausland nur aussprechen, wenn erim Stillen den Stab über dasselbe gebrochen hat und ent-schlossen ist, es zu beseitigen. So lange er sich darübernicht klar ist, muss er seine Zweifel in den Schrein seineseigenen Busens verschliessen. Parlamentarier und Dilettantenkönnen sich Monologe über Sein oder Nichtsein gestatten, ver-antwortliche Minister sind zu solchen offenherzigen Meditationennicht berufen. Auch wenn er nicht so ganz und gar unver-dient wäre, wie er es ist, wäre der Zweifel, den Graf Posa-dowsky an unsere gesetzliche Münzverfassung geheftet hat, einschwerer Missgriff gewesen.
Mit seinen Worten, der Reichskanzler hätte doch nicht inAntwort auf den Antrag erklären dürfen: „unsere Währung istzu Recht eingeführt", hat er für alle Draussenstehenden einfachder Ansicht gehuldigt, unsere Währung sei zu Unrecht eingeführt;und die, welche in der Sitzung waren, berichten, dass Ton und