Silber- zur Goldwährung musste er sich alles vorbehalten.Weder bei den Regierungen noch in der breiten öffentlichenMeinung war die Sache reif. Als ich im Jahre 1867 vor-übergehend in Berlin war, regte ich zum ersten Mal bei OttoMichaelis den Gedanken an. Er, der später als erster Mit-arbeiter Delbrücks der energischste Förderer der neuen Münz-gesetzgebung im Reiche werden sollte, war damals erst vorganz kurzem aus dem Privatleben in die Regierung des Nord-deutschen Bundes mit eingetreten, als vortragender Rat inFinanzsachen. Als ich ihm zu dieser Zeit die Ansicht aus-sprach, das deutsche Münzwesen könne nur auf Grund derGoldwährung reformiert werden, wollte er davon noch nichtswissen, sondern glaubte, am Silberthaler festhalten zu sollen.Nur darüber war man in ganz Deutschland einig, dass dasMünzwesen des alten deutschen Bundes ein elendes und un-würdiges sei. Als daher die siegreiche Wendung des französi-schen Krieges keinen Zweifel mehr an dem Eintritt derdeutschen Südstaaten in den Bund und damit an der Schaffungeiner gemeinsamen deutschen Reichsverfassung aufkommenliess, stand es fest, dass eine Münzreform zu den ersten Auf-gaben gehören würde. Für mich stand zugleich fest, dass diesnur auf dem Fuss der Goldwährung denkbar sei. Im Sep-tember 1870 traf ich in Hagenau zufallig mit Delbrück , demPräsidenten des damaligen Bundeskanzleramtes zusammen, derauf der Reise nach dem Hauptquartier begriffen war, um mitBismarck die ersten Schritte behufs Grundlegung einer deutschenReichsverfassung zu verabreden. Er war für alle Fragen derinneren Staatsordnung und besonders die von wirtschaftlicherNatur die oberste Instanz und vollkommen auf der Höhe seinerAufgabe. Sofort nach der ersten Begrüssung sagte ich zuihm: „Nun machen wir auch die Goldwährung", und er stimmtefreudig ein. Nicht als hätten wir damals an die Mittel gedacht,welche die zu jener Zeit noch ungeahnte Höhe der Kriegs-entschädigung zur Erleichterung dieser Massregel gewährensollte, sondern einfach darum, weil wir uns bewusst waren,dass es jetzt an ein grosses Schaffen gehen werde, und dassdies vor allem eine rationelle Ordnung des deutschen Geld-wesens herzustellen habe. In der ganzen übrigen Regierungs-maschine war noch wenig Verständnis für den Zug der Zeit.
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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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619
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