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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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von grösseren internationalen Verständigungen über das Münz-wesen auf. Es war die Zeit, da, von Napoleon III. gefördert,die Handelsverträge dahin gerichtet wurden, die Zollschrankenvon Land zu Land, soweit möglich, zu vermindern, da inDeutschland der Passzwang beseitigt, in Ägypten der Suez-Kanal gegraben wurde, und ein mächtig entfalteter Unter-nehmungsgeist zu friedlicher Vereinigung auf allen Gebietenanregte. Damit kam auch der Gedanke an Münzverträge auf.So musste auch das Nachdenken auf die Frage hingedrängtwerden, welches ihr Inhalt sein solle. Erst von jener Zeit andatiert die grosse Kontroverse, welche seitdem so sehr in dieHöhe und Breite gewachsen ist. Zwar der erste Vertrag dieserArt, welcher auf französischem Boden geschlossen ward, dersogenannte lateinische aus dem Jahre 1865, hatte mit dieserKontroverse nichts zu thun. Sein nächstes Objekt war, demnoch durch die Nachwirkung der vorausgegangenen Zeit un-bequem gewordenen Abfluss der silbernen Teilungsmünzendadurch Einhalt zu thun, dass man sie unterwertig ausbrachte.Man könnte also sagen, dass er eher dem Silber zur Ehregereichte. Aber dieser zwischen Frankreich, Italien, Belgien ,der Schweiz abgeschlossene Vertrag hatte weitere Ideen dieserArt erst in Fluss gebracht, und in der zweiten Hälfte dersechziger Jahre wurden zweimal in Paris grosse Beratungengepflogen, die sich entschieden dahin aussprachen, aus künftigzu vereinbarenden Münzverträgen das Silber als Courantgeldauszuschliessen, das Gold allein zur Hauptgrundlage zu machen.

In Deutschland hatte man sich auch seit Mitte der sechzigerJahre mit der Frage beschäftigt, doch nur in engeren Kreisendes Handels und der Volkswirtschaft von Fach. Auch hierwar die Stimmung entschieden für ausschliessliche Goldwährung;man Hess sich dabei von theoretischen Motiven leiten, dennpraktische Bekanntschaft mit den Vorzügen des Goldumlaufs,wie in Amerika, England und Frankreich , hatte man damalsnoch nicht gemacht. Auf Seiten der Regierungen regte sichnoch nichts. Zwar hatte der preussische Delegierte auf derPariser Münzkonferenz von 1867 sich der grossen Mehrheitderselben dahin angeschlossen, dass ein internationaler Münz-vertrag nur auf Grund der Goldwährung denkbar sei, aberüber die Möglichkeit eines Übergangs von der preussischen