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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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(z. B. 1811) wurden bis 80 Millionen Franken geprägt. Vonden zwanziger Jahren an fallen die Zahlen gewaltig ab. Wenigeausgenommen, begegnen wir da meistens Jahren, die zwischendrei und zehn Millionen schwanken, während die silbernenFünffranken sich in Zahlen von 100 bis 200 Millionen bewegen.Aber dann kommt das Gold in Massen. Von 1849 auf 1850springen die Napoleons von 27 Millionen auf 80, im folgendenJahr auf 251; im Jahre darauf, 1852, dem Jahre des Staats-streichs, der Erschütterung und Stockung, fällt alles darnieder,nur 13 Millionen, aber im Jahre darauf, 1853, mit demAufschwung der Geschäfte treten uns 313 Millionen, im folgen-den sogar 470 Millionen entgegen; und so geht es fort. DenHöhepunkt bildete das Jahr 1859 mit 523 Millionen. Danebensind die goldenen Zehnfrankenstücke nicht zu übersehen, diez. B. im selben Jahre 1859 bis zu 133 Millionen ergaben. Weitentfernt Schrecken und Beunruhigung zu verbreiten, schmeicheltesich das Gold immer mehr in die Neigung der Menschen ein.Die kleine Erschütterung des Wertverhältnisses zum Silber, inj die es aus den oben erwähnten Gründen geraten war, machte

wieder dem Hergebrachten Platz. In den Städten wurde dasTaschengeld, soweit man nicht kleine Beträge brauchte, aus-schliesslich Gold. Der Löwe hatte Blut geleckt, nun bekamer erst rechten Appetit danach. Und nichts war natürlicher.Der moderne Mensch, der immer in Bewegung ist, der ge-steigerte Verkehr mochte sich nicht mehr mit den schwerenSilberstücken massig belasten. Er hatte es gethan, solange ernicht anders konnte und nichts anderes kannte. Seitdem ermit dem Besseren vertraut geworden ist, will er vom Geringerennichts mehr wissen. Man könnte ihm ebensogut von derEisenbahn wieder zur Postkutsche oder von Gas und Elektrizitätzum Talglicht zurückbereden wollen. Wer noch, wie ich, dieZeit erlebt hat, wo der Landmann mit dem Ledergürtel, indem die Silberstücke rasselten, der sogenannten Geldkatze, umden Leib geschnallt, und der Kassenbote mit den schwerenSäcken auf dem Rücken einherging, Gestalten, die aus demLeben verschwunden sind, dem ist der letzte Grund der grossenVeränderung, die unsere Zeit hierin erlebte, nicht zweifelhaft.

In derselben Zeit der sechziger Jahre, da Frankreich sichin den Umgang mit dem Golde einlebte, kamen auch Ideen

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