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dem Masse, als es möglich war, sich seiner zu bedienen.Diese Neigung ward noch gefördert durch zufällige Vorkomm-nisse im Weltverkehr. Dem Zufluss von Gold nach deneuropäischen Staaten trat Anfang der sechziger Jahre noch einAbfluss von Silber hinzu. Den Ausgangspunkt dieser Ver-schiebung bildete der amerikanische Sezessionskrieg. DieSüdstaaten, welche bis dahin Europa die Baumwolle gelieferthatten, lagen brach, und der Ausfall musste durch Bezüge ausAsien gedeckt werden, welches nur Silberzahlung annahm.Die Konjunktur wurde noch verstärkt durch eine in Italien aus-gebrochene Krankheit der Seidenwürmer; es musste zur Deckungdes Ausfalles Rohseide aus China und Japan bezogen werden,die auch nur mit Silber rechneten. Der Zustrom von Goldwurde auf diese Weise noch durch einen Abstrom von Silberverstärkt. Dem Druckwerk schloss sich ein Pumpwerk an.Aber weit entfernt, ein Missbehagen im Geldverkehr zu er-zeugen, ward diese Veränderung immer mehr als eine grosseAnnehmlichkeit empfunden. Sowohl für die Versendung grosserBeträge von Ort zu Ort und von Land zu Land, als für dastägliche Leben griff der Verkehr mit Freude nach dem kost-baren und schönen Gold, das in so viel kleinerem Volumenund Gewicht sich verfrachten wie in der Tasche tragen liess.Auch als später der Grund des Silberabflusses weggefallen war,sehnte sich niemand nach ihm zurück. Namentlich in Frank-reich , dem Lande, dessen Lebensgewohnheiten mehr als dieirgend eines anderen von jeher einen sehr starken Bedarf anMetallgeld bedingen, trat das goldene Zwanzigfrankenstück anStelle des silbernen Füriffrankenthalers, der piece de cent sons,in welcher sich bis dahin die Vorstellung von der Machtdes Geldes versinnlicht hatte. Die Zahlen der französischen Prägeanstalten liefern einen schlagenden Ausweis, mit welcherVorliebe das Land zum Golde überging. Im Anfang desJahrhunderts war vielfach eine Ausprägung von goldenenZwanzigfrankenstücken — Napoleons hiessen sie damals undheissen sie noch heute, manchmal auch noch Louis, — nochverhältnismässig stark. Der Krieg und seine Beute gaben denAnstoss und die Mittel dazu. Die Kriegskassen wurden miterobertem Golde gefüllt, und des leichten Transportes wegenhinter den kaiserlichen Heeren mitgeführt. In einzelnen Jahren