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Silber. Alles in allem war bis zum Ende der siebziger Jahresehr wenig Silbercourant in Amerika geprägt worden, nachdemPräsident Jackson im Jahre 1806 die Einstellung verfügt hatte.Die etlichen Millionen, die das amerikanische Gepräge trugen,waren nach China und Indien gewandert. Soweit noch imInlande stellenweise sich ein Bedarf zeigte, dienten ausländischeSilbermünzen, englische, spanische, u. a. dazu. In der ganzenZeit zwischen 1792 und 1873 hatte die gesetzliche Wertrelationim Zusammenhang mit der thatsächlichen des freien Verkehrszwischen 1 zu 15 und 1 zu 16 als äussersten Grenzen hinund hergeschwankt. Wie in Amerika, so auch in Europa .Umgekehrt, hatte im Festlande Europas bis zur Mitte unseresJahrhunderts zwar überall neben dem Silber das Gold alsGeld gedient, aber, wie auch in früheren Jahrhunderten, be-stand die grosse Masse aus Silber. Das französische Worturgent, welches zugleich weisses Metall und Geld überhauptbedeutet, liefert den deutlichsten Beweis dafür. Es gab ebenviel mehr Silber als Gold, und alle Zahlungs- und Geschäfts-einrichtungen waren auf den Verkehr damit zugeschnitten.Da trat eine grosse Wendung ein, und von ihr datiert eineneue Epoche in der Entwicklung des Geldwesens im Abend-lande. Es war die Entdeckung der grossen Goldlager in Cali-fornien und Australien am Ende der vierziger Jahre. In Massen,wie man sie nie gekannt hatte, strömten die rasch erbeutetenMengen des gelben Metalls von beiden Weltteilen den grosseneuropäischen Ländern zu. Im Anfang verbreitete das unterden Fachleuten einen gewissen Schrecken. Sie fürchteten, eskönne eine Überflutung mit Gold über Europa kommen, derPreis desselben könnte dadurch bedeutend herabgedrücktwerden, und das Metall durch die damit unvermeidlich ver-bundenen Schwankungen die Haupteigenschaft eines gutenGeldes, die Stetigkeit seines Wertes verlieren. In verschie-denen Ländern wurden Vorschläge gemacht, zu einem ein-seitigen Silberfuss überzugehen, aber, obgleich die Goldaus-beute fortfuhr, ihren Uberfluss zu verbreiten, liess sich voneinem Niedergang des Goldpreises nichts bemerken. Nurum Kleinigkeiten veränderte sich das Verhältnis von 1 zu15 1 / 2 dem Silber gegenüber. Dagegen befreundete sich dermenschliche, tägliche Verkehr immer mehr mit dem Gold in