erzwingen, dass jenes ehemalige Verhältnis wieder hergestellt,d. h. dass durch das Gesetz befohlen werde, Silber solle zuZahlungen doppelt soviel wert sein, als es heute im Handelwert ist. Man kann wohl sagen, dass die Weltgeschichte vonVersuchen, durch gesetzliche Verfügungen künstliche Werter-höhung von Geld zu erzwingen, viel Thörichtes und Abscheu-liches zu erzählen weiss, dass aber ein Versuch von so uner-hörter Frechheit nie gemacht worden, nie entfernt etwasÄhnliches gewagt worden ist. Um zu verstehen, wieso eine soseltsame Zumutung sich aufthun konnte, muss man den Gangdieser Dinge nach zwei Seiten hin beleuchten. Man muss er-klären, wie es gekommen ist, dass das Silber seinen Handels-wert zur Hälfte verloren hat, und warum sich mächtige Parteienin verschiedenen Ländern bildeten, welche Ursache haben oderzu haben glauben, die Thatsache dieser Wertverminderungwieder rückgängig zu machen. Bekanntlich ist im grossenund ganzen, seitdem es Geld aus Edelmetall giebt, sowohlSilber als Gold ebenmässig dazu verwendet worden, wennschon einzelne Perioden in einzelnen Ländern bald dem einenbald dem anderen den Vorzug gaben, oder vielmehr durcheigentümliche Verschiebungen bald mehr auf das eine baldmehr auf das andere der beiden angewiesen waren. ZweiNationen haben schon vor längerer Zeit sich immer mehr vomGebrauch des Silbers entwöhnt: England und Nordamerika .In England wurde das Gold durch Gesetz zum Haupt- oderCourantgeld gemacht, als nach dem Ende der NapoleonischenKriege der Zwangskurs der Banknoten aufgehoben war. That-sächlich war schon in der zweiten Hälfte des achtzehntenJahrhunderts das Silbergeld im grossen Verkehr ausser Ge-brauch gekommen. Die Gesetzgebung von 1816 sanktioniertenur einen alten Brauch. Ähnlich verhielt es sich in den Ver-einigten Staaten . Zwar hatte das Gesetz unter der Präsident-schaft Hamiltons im Jahre 1792 die Herstellung von Gold- wievon Silbermünzen angeordnet, aber faktisch war auch hierwenig Silber zu ganzen Dollars, vielmehr nur zu kleinenMünzen ausgeprägt worden. Man fand schon damals das wohl-feile Metall im Vergleich zu Gold unbequem. Im Jahre 1834suchte die Gesetzgebung dem Bedürfnis nach Gold mehr Vor-schub zu leisten durch eine Werterhöhung im Verhältnis zum
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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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