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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
631
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Rudolph von Delbrück .

Zum achtzigsten Geburtstag.

(17. April 1897.)

Man will in unseren Tagen beobachtet haben, dass hervor-ragende Männer und namentlich solche in politischen Stellungenes zu besonders hohen Jahren bringen. Es gab einen Abschnittin der jüngst vergangenen Periode, wo etwa gleichzeitig KaiserWilhelm, Bismarck, Moltke, Thiers, Gladstone, Disraeli, Depretis ,Crispi über die siebzige hinaus im Zenith ihres Einflusses aufdie Geschicke ihrer Länder standen. Das Phänomen ist viel-leicht so wunderbar nicht, wie es sich auf den ersten Anscheindarstellt. Das Nämliche, was zu ausgezeichneten Leistungenbefähigt, befähigt auch zur Dauerhaftigkeit. Eine kräftigeLeibesverfassung ist die wichtigste Vorbedingung für nachhaltigeArbeitskraft und Energie des Willens, und umgekehrt leistetein gut angelegter Verstand seine Gegendienste zur Erhaltungheilsamen Gleichgewichts im Gebrauch der körperlichen Anlagen.

Dass Glück und Verdienst nicht so teilbare Attribute sind,wie die Priester der reinen Tugend es verlangen möchten, istkein Geheimnis. Das Beste, was wir an einem Sterblichenlobpreisen, muss er doch mit auf die Welt bringen, und dasser es mit auf die Welt gebracht hat, ist nicht sein Verdienst,sondern sein Glück.

So ehren wir, ohne inkonsequent zu sein, auch die hohenJahre als eine verdienstvolle That, wünschen aber auch Glückdazu, um nicht zu vergessen, dass alles, selbst die Tugend,Gnade ist, für die wir in Demut zu danken haben.