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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Der Lebenslauf Delbrücks, der uns an seinem heutigenAbschnitte zum Verweilen einlädt, entnimmt seine Bedeutung,wie auf den ersten Blick einleuchtet, vor allem seiner engenVerknüpfung mit dem Lebenslauf der vaterländischen Geschichte,doch nicht minder der Entfaltung einer starken Persönlichkeit.In erster Reihe fesselt uns natürlich die Rolle des Mannes,welcher mit seinen frühesten Leistungen an dem Punkt derstaatlichen Aufgaben einsetzte, aus dem sich allmählich derBau des Deutschen Reichs bis zu seiner dermaligen Gestalt er-heben sollte. Doch nebenher geht, und vielleicht für den Kennernicht minder interessant, das Stück politischer Psychologie, dessenEvolution den Unterschied zwischen dem höheren preussischenBeamtentum von ehemals und jetzt bezeichnet. Delbrück hatnicht nur an dem Zollverein, welcher das preussische Kaisertumvorbereitete, schon vor einem halben Jahrhundert mitgearbeitet,sondern er personifiziert uns auch einen der vollendetstenTypen jener intelligenten und gewissenhaften Tüchtigkeit, vonaltem Schrot und Korn, die mit ihrer friedlichen Leistung nichtminder, als es durch die soldatischen Anstrengungen geschehenwar, den Grund zu Preussens Zähigkeit und Kraftentfaltunggelegt haben.

Sein guter Stern wollte, dass die ersten Stadien seinerLaufbahn ihn in die Atmosphäre der hohen Verwaltungsbeamtenhineinführte, deren Namen unvergesslich mit der Wiedergeburtdes Königreichs nach den furchtbaren Drangsalen der napole-onischen Zeit verbunden sind. Kam er auch nicht mit allenin unmittelbare Berührung, so war es doch der Geist jener mithöchster Bildung, feiner Humanität, freiem Blick gesegnetenMänner, dessen Walten dereinst die Leitung der volkswirtschaft-lichen Angelegenheiten Preussens an die Spitze von Europa stellte und die Bewunderung der englischen Staatsmänner aufsich zog. Delbrück ist ein Sohn der Zeit, welche die NamenHumboldt, Motz, Kunth, Maassen, Beuth, Schön, Hardenberg inihren Annalen führt; mit Beuth und später mit Rönne kam erin amtlichen Kontakt.

Sein Vater war Geistlicher, Superintendent und Erzieherder Söhne Friedrich Wilhelms III. Er selbst widmete sichdem Studium der Rechte und dann dem Verwaltungsdienst.Als im Jahre 1848 ein preussisches Handelsministerium ge-