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reichischen Deligierten. Bismarck bemerkt in seinem Schreibenan Manteuffel, er hätte gewünscht, dass Delbrück „seinen nichtösterreichischen Kollegen gegenüber weniger diskret über dievon ihm gekennzeichneten österreichischen Intriguen gewesenwäre" — für beide Männer bezeichnend.
Es kam die Zeit der ersten sechziger Jahre, der grosseneuropäischen Handelsverträge, mit denen Frankreich vorausging.Sie waren bekanntlich epochemachend, zunächst für Frankreichs Handelspolitik, sodann für Deutschland , für dieses noch mehr,weil hier der Sieg einer freien wirtschaftlichen Richtung in daslange Vorspiel des Kampfes zwischen den österreichischen undpreussischen Tendenzen eingriff. Delbrück war hier ganz inseinem Element, und der Triumph, mit dem Bismarcks damalsfreihändlerische Politik der Reihe nach in der Erneuerung desZoll Vereinsvertrages, in den Verträgen mit Frankreich, Belgien ,England, Italien aus den verwickelten Unterhandlungen hervor-ging, war nicht zum wenigsten Delbrücks Verdienst. Dochauch dies war nur Vorbedeutung und Vorbereitung.
Delbrücks historische Stellung erhebt sich zu ihrer vollenund wahren Höhe erst zugleich mit dem Beginn der grossenZeit der Reichsgründung. Man muss ihn während der Jahrevon 1867 bis 1876 an der Arbeit gesehen haben, um ganz be-urteilen zu können, was er für die Grundlegung und den Aus-bau der Verfassung und Gesetzgebung jener Epoche gewaltigenSchaffens bedeutete. Unter dem frischen Eindruck des selbstErlebten bezeichnete ich den Präsidenten des Bundeskanzler-amtes damals in meinen Zollparlamentsbriefen als den Maschinen-meister und Werkführer des eigentümlichen Apparates, den derKanzler sich für seinen Bedarf gebaut hatte. Alle Fäden flössenin seiner Hand zusammen, und seine Hand hielt das ganze Ge-triebe fortwährend in Bewegung. Darum war es auch ganznatürlich, dass er in erster Reihe zum Mitthun berufen wurde,als es galt, die Früchte des grossen Krieges einzuheimsen, denMain zu überbrücken und das neue Reich aufzurichten. Nachder Schlacht von Sedan fiel ihm die Aufgabe zu, mit den süd-deutschen Höfen und Ministern über die Einzelheiten des neuenBundes zu verhandeln. Dann begab er sich nach Versailles ,wo er lange Wochen an Bismarcks Seite diese Negotiationenmit den Einzelstaaten abzuwickeln hatte. Das war nicht so