einfach, wie mancher es heute sich denken mag. Bismarcksvorsichtige und kühle Einigungspolitik war jedem scharfen Vor-gehen abgeneigt, zumal sein königlicher Herr —- im Gegensatzzum Thronerben — hier nichts weniger als anfeuernd eingriff,während an einzelnen Höfen, namentlich in Stuttgart undMünchen , die daheim gebliebenen Penelopes immer wieder auf-trennten, was mit ihren in Versailles anwesenden Ministerngeknüpft worden war. Delbrück hatte manchen schweren Tag,ehe er endlich abreisen konnte, um in Berlin bei den Volks-vertretern des Norddeutschen Bundes die letzten Schwierigkeitenzu überwinden, welche von dieser Seite dem allerdings sehrkompliziert ausgefallenen Verfassungswerk noch entgegenstanden.
Dann begann mit dem ersten Deutschen Reichstag dasgrosse Schaffen an der inneren, namentlich der wirtschaftlichenGesetzgebung, die Deutschland auf die Grundlage eines modernenund homogenen Staatswesens zu erheben hatte. Es war einfreudiges, warmes Zusammenwirken zwischen Regierung undVolksvertretung. Wie viele ausgezeichnete Männer arbeitetendamals in Reih und Glied mit, deren Gleichwertigen man jetztkaum mehr unter den Führern findet! Im Mittelpunkt desGanzen stand, wie er jetzt hiess, der Präsident des Reichs-kanzleramtes. Für die Konzeption sowohl wie für die Aus-führung hatte er, allen voran, zuerst einzustehen. Man konntesich das ganze Getriebe nicht denken ohne seine stündlicheGegenwart. Er war der erste in jeder Reichstagssitzung undging als der letzte weg, dazu in den wichtigen Kommissionen,und in wieviel verschiedenen Rollen! Einen Gehilfen hatte erverstanden zu sich heranzuziehen, wie er ihn nicht besser hättegreifen können. Das war Otto Michaelis . Für die, welche jenePeriode, selbst daran beteiligt, miterlebt haben, sind die beidenNamen unzertrennlich verbunden. Des zu früh Verstorbenenist bei seinem Heimgang in diesen Blättern nach Verdienst ge-dacht worden. Er war einer der feinsten und kundigsten Denkerauf dem Gebiete der Nationalökonomie und ein von hoherBildung durchdrungener Geist, der gerade Gegensatz zurBanausität, die später über die Behandlung wirtschaftlicher An-gelegenheiten hereingebrochen ist. Aber obwohl, oder vielleichtauch weil er erst in reifen Jahren vom publizistischen Berufzum öffentlichen Dienst durch Delbrücks richtige Divination