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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Boden parlamentarischer Opposition wieder auf die Ministerbankzurückzukommen.

Delbrück blieb als Redner derselbe, welcher er als leitenderStaatsmann gewesen war, korrekt in der Form, sachlich im In-halt, der Aufmerksamkeit des Hauses gewiss. Die frühere Ge-wohnheit, von der erhöhten Ministerbank aus zu sprechen, vonder aus man leicht verstanden wird, trug wahrscheinlich dieSchuld, dass seine Diktion an einem kleinen Defekt litt. Erliess beim Ende der Sätze die Stimme sinken, so dass dies oftschwerer hörbar wurde, ein Versehen, das übrigens ziemlichverbreitet ist. Man hat an ihm, und nicht nur gelegentlichseiner parlamentarischen Funktionen, einen Mangel an Pathosauszusetzen gefunden. Ganz gewiss liegen die pathetischenAkkorde nicht innerhalb seines Stimmregisters. Aber wenn esein Fehler ist, nicht pathetisch sein zu mögen, und wenn irgendjemand das Recht hat, die Fehler seiner Vorzüge zu besitzen,so ist es ein Mann von dieser eminent sachlichen Leistungs-fähigkeit, die sich gegen das Pathetische sträubt. Diese strengeObjektivität, welche ihn zum uneigennützigsten und unab-hängigsten Verteidiger der von ihm für gut erkannten Sachemachte, hielt ihn auch davon zurück, irgend ein Moment sub-jektiver Anwandlung zur Geltung kommen zu lassen. SeineSinnesweise nach dieser Richtung hin kam einmal in sehr be-zeichnender Weise bei einem stillen Vorgang zum Vorschein.Er hatte eine Abhandlung geschrieben, die ein Anderer zumDruck vermittelte. Beim Durchlesen fand der Vermittler einWort, das er dem Verfasser zu unterstreichen, d. h. mit ge-sperrter Schrift drucken zu lassen vorschlug. Aber Delbrück schlug es ab mit der Bemerkung, dass er nie etwas unter-streiche. Sowohl als Minister wie als Abgeordneter hielt ersich der Einzige streng an die englische Sitte, nie einenAbgeordneten mit seinem persönlichen Namen zu bezeichnen.Er sprach immer nur vom Herrn Abgeordneten für Graudenz oder für Erlangen -Fürth u. s. w. Schriftstellerisch ist er nichtvielfach hervorgetreten. Ohne seinen Namen ist eine Abhand-lung unter dem TitelD er Zollverein und das Tabakmonopol"(Berlin 1857) erschienen, in welcher er dies Monopol vomStandpunkt der Verfassung des Zollvereins aus bekämpfte. DieSchrift wurde in den langen, heftigen Kämpfen der achtziger