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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Jahre oft angerufen. Sie wurde ihm dabei immer zugeschrieben,und er hat nie widersprochen. Die im Jahre 1879 in Berlin erschienene AbhandlungDeutschlands Getreideverkehr mit demAuslande" hat wahrscheinlich ebenfalls Delbrück zum Verfasser.Sie lieferte den seitdem durch die Erfahrung noch übertroffenenBeweis, dass wir die fremde Zufuhr von Brotkorn nicht ent-behren können. Unter seinem Namen Hess er im Jahre 1881eine Schrift drucken mit dem Titel:Der Artikel 40 derReichsverfassung", welche eine Reibe von konstitutionellenZweifeln über einzelne Bestimmungen der Zollvereinsgesetz-gebung behandelt. Delbrück hat auch Denkwürdigkeiten nieder-geschrieben, die aber nur als Manuskript gedruckt und einzelnenPersonen mitgeteilt worden sind. Dem Vernehmen nach reichensie nur bis an die interessanteste Zeit, bis zu 1866.

Seitdem er sich vom öffentlichen Leben zurückgezogen, hatHerr Delbrück keinen Augenblick aufgehört, den Angelegen-heiten desselben mit der intensivsten Teilnahme zu folgen, aberalles demonstrative Auftreten sorgfältigst vermieden. Wer Ratoder Belehrung von ihm in den zahlreichen von ihm be-herrschten Fragen haben wollte, war immer freundlich will-kommen. Manchmal ergriff er selbst die Iniatiative dazu, be-sonders wenn es sich um unsere Währung handelte, deren Ver-teidigung ihm vor allem am Herzen liegt. Auch übernahm erbereitwillig den Ehrenvorsitz des zu diesem Zweck vor zweiJahren gegründeten Vereins. Ganz besonders aber widmete ersich seit einem Vierteljahrhundert seinem Lieblingskind, demVerein zur Beförderung des Gewerbefleisses. Auf Wunsch desVorstandes hat er auch die Leitung des Viktoriaschwestern-hauses für Ausbildung von Pflegerinnen übernommen. Und woer ein Amt übernimmt, ist ihm nichts zu klein, um es nichtmit der peinlichsten Gewissenhaftigkeit zu überwachen.

Die sachliche Richtung seines Berufes und Sinnes hat ihnkeineswegs abgehalten, ein Mann von Welt und des frohenLebensgenusses zu sein. Er ist vor allem ein wahrhaft enthu-siastischer Naturfreund, ein Bergsteiger, der noch bis in dieletzten Jahre ganz beträchtliche Höhen erklomm, dabei einKenner und Feinschmecker auf dem Gebiete der Litteratur undKunst.

Man kann beklagen, dass Rudolph von Delbrück mehr als