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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Umstandes, dass dieser heute für uns so interessante Briefgerade aus Berlin datiert ist, wo der Feldmarschall damals nurzu kurzem Aufenthalt verblieb. Der Anlass seiner Reise wardie Thronbesteigung des Kaisers Nikolaus. Zur Beglück-wünschung desselben wurde der Feldmarschall am 10. Februar1826 nach Petersburg entsandt. Am selben Tage, an welchemder Minister des Auswärtigen, der berühmte Canning, überdiese Mission an Wellington schrieb, richtete er an denselbenauch ein zweites Schreiben, mit dem er gleichzeitig eine Denk-schrift Huskissons über die damals zwischen der Regierungund dem Parlament schwebende Frage wegen einer Geldkrisisund der dazu in Betracht kommenden Abhilfsmittel überreichte.Wenn obige Antwort nicht an Canning selbst, sondern an Peelgerichtet ist, so erklärt sich das damit, dass am selben Tage,am 10. Februar, an dem Canning dem Flerzog schrieb, auchPeel, welcher seit dem Jahre 1822 Minister des Innern war, inder nämlichen Angelegenheit an Wellington nach Berlin ge-schrieben hatte. Letzterer war Mitglied des Kabinets undCommander general of the ordnance, Oberbefehlshaber derArtillerie, ein Ehrenposten, der nur bestimmt war, Sitz imKabinet zu geben, und in späterer Zeit aufgehoben ward.

Auch auf den Inhalt dieses Peelschen Briefes ist weiterunten zurückzukommen.

Die Entstehungsgeschichte dieser merkwürdigen Korrespon-denz ist in kurzem zusammengefasst die folgende. Gross-britannien war aus dem langen Krieg mit einer ungeheurenSchuldenlast hervorgegangen. Im Jahre 1819 hatte es bekannt-lich die Barzahlungen in Gold nach den Vorschlägen der vomälteren Earl of Liverpool im Jahre 1805 verfassten Denkschriftaufgenommen, aber die Zinsen der Schuld und die durch siebedingte enorme Steuerlast drückten schwer auf alle gewerb-lichen Verhältnisse des Landes. Aus verschiedenen und nichtdarin allein wurzelnden Verhältnissen hatte sich ein starkerNiedergang der Preise entwickelt, und besonders lebhaft er-tönten die Klagen über die daraus entstandene Not der Land-wirtschaft ( agricultural distress ). Die Grossgrundbesitzer tratenin eine Bewegung ein, welche mit drastischen Mitteln Er-leichterung der Schuldenlast zu Wege bringen sollte. Es warunter anderem von nichts weniger die Rede als von einer

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