— 657 —
zum Schluss diese bittere Medizin mit einigen Tropfen nichts-sagender Höflichkeit versüsst war, darf nicht wundern und wirdniemanden täuschen, wenn schon wir darauf gefasst sein müssen,dass die nimmer versiegende Prophezeiungskunst unserer Silber-leute daraus die Kraft zur Voraussetzung neuer Triumpheschöpfen wird.
Abgesehen von dem Hauptgewicht der durchschlagendenEntscheidung liefert die letzte Episode eine Reihe interessanterBelehrungen, die sich aus dem eben veröffentlichten Schrift-wechsel zwischen der englischen und der indischen Regierungergeben. Um nur einiges daraus hervorzuheben, sei Folgendeserwähnt. Von bimetallistischer Seite war vielfach bis in dieletzte Zeit die Meinung verbreitet worden, dass die Massregelder im Jahre 1893 geschlossenen indischen Münzen eine ver-fehlte, und dass man in Indien selbst geneigt sei, von derselbenwieder umzukehren. Die vortreffliche, gründliche und ausser-ordentlich treffende Antwort, welche die indische Regierungsoeben erteilt hat, spricht aufs allerpositivste und vorbehaltlosesteaus, dass jene Meinung durchaus irrig ist. Die indische Re-gierung, die Hauptbeteiligte an der Massregel, ist vollständigüberzeugt von deren Richtigkeit und ganz zufrieden mit derWirkung, welche die Massregel ihrer Absicht nach bis jetzt er-reicht hat.
Ein anderer Punkt ermangelt des Interesses nicht. Mit derUnverfrorenheit, welche die bimetallistischen Experimentatorenkennzeichnet, hatten sich die amerikanischen und französischen Unterhändler in der Siegesfreude, mit welcher sie die Rechnungohne den Wirt beglichen, darüber geeinigt, dass darüber keineFeindschaft sei, ob man das Verhältnis des Silbers zum Goldegesetzlich auf 16, wie bisher in Amerika , oder auf 15^, wiein Frankreich , für die Zukunft festlegen solle. Die Amerikanerin ihrer Grossmut hatten dem liebenswürdigen Frankreich dieKonzession gemacht, ihre Verhältniszahl zum Opfer zu bringenund der französischen beizupflichten. Nichts ist bezeichnenderfür die volkswirtschaftliche Bildung, welche dem Kabinet Melineinnewohnt, als das seichte Geschwätz, mit welchem sein Ver-treter in London in ein paar landläufigen hohlen Phrasen dieAnsicht vertrat, dass es eine Kleinigkeit sei, auf Grund inter-nationaler Verträge in Zukunft das Verhältnis von I : 15% für
Bamberger, Reden u. Aufsätze. 4 2