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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Regieruug in Simla wieder einmal ein bitterer Kelch so schnell-und so glatt an ihnen vorübergegangen ist.

Mit diesem letzten Akt schliesst das Trauerspiel des internationalen Bimetallismus in fünf Aufzügen, nach allen Regelnder Kunst. Der erste Akt spielte zu Brüssel im Jahre 1892,wo eine feierlich inszenierte Münzkonferenz sich unverrichteterSache auf Nimmerwiedersehen vertagte. Der zweite Akt spieltein Asien , als die indische Regierung dazu schritt, ihre Münzender Silberprägung zu verschliessen. Der dritte und vierte Aktspielte in Amerika , als 1893 das sogenannte Shermangesetz,betreffend jährlichen Massenankauf von Silber, abgeschafftwurde, und 1896, als der Silberkandidat Bryan aufs Haupt ge-schlagen ward. Jetzt ist der Vorhang in London bei Schlussdes fünften Aufzugs auf der mit Leichen bedeckten Szeneniedergegangen. Was kann man mehr verlangen?

Im Jahr 1892 wurden die Vorgänge auf der BrüsselerMünzkonferenz im deutschen Reichstag besprochen. Graf Mir-bach hatte als zweite Grossmacht neben der deutschen Reichs-regierung seinen eigenen E7ivoye extraordinaire et ministreplenipotentiaire nach Brüssel entsandt, um der deutschen Reichs-regierung ein Dementi zu geben. Im Lauf der sich an diesenheiteren Vorgang knüpfenden Debatte sagte ich:Die Herrenmögen machen, was sie wollen, der Bimetallismus ist tot." So wares schon damals, und so ist es heute. Natürlich haben sie seit-dem beim Beginn jedes neuen Aktes publiziert:Seht, wie derBimetallismus noch lebt!" Dabei ist nur eine kleine Ver-wechslung unterlaufen. Natürlich, die Bimetallisten sind nichttot, sie werden auch in Zukunft nicht aufhören zu prophezeienund zu triumphieren. Dafür kennen wir sie, aber sie mögenspringen und singen, so viel sie wollen; es ist und bleibt dochso: der Bimetallismus ist tot.