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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Standes ihres Landes zu Rate zu ziehen. Die englischen Mi-nister hatten sich schon früher ähnlich geäussert und bekräf-tigten dies auch beim neuesten Anlass. Die indische Regie-rung, welche gezwungen war, um sich keiner Säumnis schuldigzu machen, eine rasche Antwort nach London zu erteilen, er-klärte in derselben, sie hätte unter dem Druck dieser Eile keineZeit gehabt, den Bank- und Handelsstand ihres Landes zu be-fragen, aber für den Fall, dass man ihre dermalige Entschei-dung nicht als definitiv ansehen wollte, würde sie auf keinenFall einen Schritt zur Abänderung des gegenwärtigen Zu-standes thun, ohne vorher die Meinung dieses Standes aufs ge-naueste befragt zu haben. Vielleicht ist es nicht unwichtig, aufdiese Einzelheit die deutsche Reichsregierung hinzuweisen, derman ehemals mit Beschlüssen aus Bauernvereinen zu Leibe zugehen unternahm mit dem Hinweis darauf, dass der Bank- undHandelsstand als verdächtige Partei in solcher Sache nicht be-fragt werden dürfe.

Schliesslich hat es seine pikante Seite, dass in den ganzenVerhandlungen, wie sie uns jetzt ausführlich vorliegen, vonDeutschland mit keinem Worte die Rede ist. Es ist ja nichtschwer, sich zu erklären, wieso das kam; denn auch in denletzten zwischen unseren Parlamenten und Regierungen ge-pflogenen Verhandlungen ist schliesslich selbst von der Doppel-währungspartei festgelegt worden, dass ohne Englands Mitwir-kung, und zwar Mitwirkung auf gleichem Fusse, von einer Ein-kehr Deutschlands zum Bimetallismus nicht die Rede seinkönne. Wahrscheinlich hatte man sich vorbehalten, erst nachetwaigem Gelingen des englischen Experiments an Deutschland heranzutreten. Nun hat uns wieder einmal der Verstand desenglischen Volkes davor bewahrt, uns der amerikanischenSilberfreunde wegen die Köpfe zu zerbrechen und unsere wirt-schaftlichen Angelegenheiten in Verwirrung zu bringen. DenEngländern, mit denen wir zur Zeit recht überflüssigerweise,zum Teil durch unsere, zum Teil durch ihre Schuld, verzanktsind, werden wir deshalb nicht umhin können, für diese er-sparten Unbilden recht dankbar zu sein. Am meisten aberdavon kann man überzeugt sein wird die hohe deutscheReichsregierung und ihr verehrter dermaliger Kanzler vergnügtaufseufzen, dass dank der City von London und der indischen

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