2 Bischof Bossuets Einleitung
Verbindung der Exempel aus den verflossene»Jahrhunderten mit denen Erfahrungen, die sieselbst alle Tage haben. Anstatt daß sie, wie esgemeiniglich geschieht, nur auf Unkosten ihrerUnterthanen, und ihrer eignen Ehre von gefähr-lichen Begebenheiten urtheilen lernen, welche ih-nen zustoßen ; so üben sie durch die Hülfe derGeschichte ihre Urtheilskraft an vergangenenBegebenheiten, ohne etwas zu wagen. Wen»sie, ohnerachtet aller falschen Lobeserhebungen,die man den Fürsten bey ihrem Leben gegebenhat, bis zu den verborgensten Lastern derselbendurchdringen, die den Augen aller Menschen blos-gestellt worden sind: So schämen sie sich überdie eitle Freude, die ihnen die Schmeichelchverursacht, und lernen einsehen, daß die wah-re Ehre sich nur mit den Verdiensten vertragenkann.
Ueberdieß wäre es, ich will nicht sagen, füreinen Prinzen, sondern überhaupt für einen ie-den rechtschaffenen Mann eine Schande, vondem menschlichen Geschlechte, und denen merk-würdigen Veränderungen nichts zu wissen, wel-che die Folge der Zeiten in der Welt hervorge-bracht hat. Wenn man durch die Geschichtedie Zeiten nicht von einander unterscheiden lernt,so wird man die Menschen, welche unter demGesetze der Natur oder unter dem geschriebenenGesetze gelebt haben, wie die Menschen unterdem evangelischen Gesetze vorstellen; man wirdvon den Persern, die von Alexandern überwun-den worden sind, wie von denen Persern reden,welche unter der Regierung des Cyrus so sieg-haft