Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
353
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in die allgemeine Geschichte. 55z

Hierdurch waren also die Art der Belagerung unddie letzten Wirkungen der göttlichen Rache deutlich ge-nug bezeichnet. Allein Jesus Christus sollte nicht zuseinem Leiden gehen, ohne Jerusalem zu verkündigen,daß diese mörderische Stadt dereinst für ein so frevel-haftes und unwürdiges Bezeigen gegen ihn bestraftwerden sollte. Als er nach der Schedelstätte gieng,und sein Kreuz auf seinen Schultern trug, so folg- Lu«.-z,-7.re ihm ein großer Haufe Volts nach, und lVei-der, die ihn beklagten und beweinten. Er aber ^stund stille, wandte sich um zu ihnen und sprach: IhrTöchter von Jerusalem weinet nicht über mich,sondern weiner über euch selbst, und über eureRinder. Denn siehe es wird die Zeit kommen,in welcher man sagen wird: Gelig sind dieUnfruchtbaren, und die Leiber, die nicht ge-bohren haben, und die Vrüste, die nicht gesättgchaben. Dann werden sie anfangen zu sagen zuden Bergen: fallet über uns; und zu den Hü-geln: decket uns. Denn so man das tbm amgrünen Holze, was will am dürren werden?Wenn der Unschuldige, wenn der Gerechte eine sostrenge Strafe leidet, was haben nicht die Strafbarenzu erwarten?

Hat Jeremias wohl iemals den Verlust der Judenso schmerzlich beklagt? Konnte der Heiland wohl stär-kere Worte gebrauchen, ihnen ihr äußerstes Unglückund ihre zukünftige Verzweiflung, und den Hunger zuzeigen, der selbst ihrer Kinder nicht schonen würde, derfür die Mütter so schrecklich war, die ihre Brüste ver-trocknen sahen, die ihren Kindern nichts als Thränengeben konnten, und die die Frucht ihrerEingeweide aßen?

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