57o Bischof Bossuets Einleitung
Cbristiseyn würde; Jacob aber sagte mit deutlichenWorten: der Msßias, welcher alsdann kommen sollte,würde das Verlangen der Völker seyn. Dasist so viel gesagt: er würde ihr Besreyer werden, undeösollte ein nencs Königreich entstehen, das nicht aus ei-nem Volke allein, sondern aus vielen Völkern zusam-mengeseßt seyn würde. Die Worte der Prophezeyungkönnen keinen andern Verstand haben, und es wardie bestandige Sage unter den Juden, daß sie alsoverstanden werden müßten.
Daher kömmt die allgemeine Meynung unter denalten Rabbinen, die man auch in ihrem Talmude fin-det *, daß zu den Zeiten, da Christus kommen sollte,die Juden das weltliche Regiment verlohren habenwürden.Man konnte also nichts wichtigere thun, die Zeitihres MeßiaS zu erkennen, als Achtung geben, wennsie in diesen unglückseligen Zustand fallen würden.
Sie hatten in der That auch einen guten Anfanggemacht, und wenn ihr Geist nicht mit den Gedankenvon einer weltlichenGröße allmfehr eingenommen gewe-sen wäre, die sie an ihrem MeßiaS finden wollten, sohatten sie Jesum Christum nicht verkennen können. DerGrund, den sie gelegt hatten, war gewiß: denn sobald die Tyranney des ersten Herodes, und die Ver-änderung der jüdischen Republik unter seiner Regierungihnen die Zeit des in ihren Prophezeyungen angegebe-nen Verfalles gezeigt hatten, so zweifelten sie gar nichtmehr, daß Christus nicht kommen müßte, und daß mandas neue Reich bald sehen würde, in welchem sich alleVölker vereinigen sollten.
Sie haben unter andern angemerkt, daß ihnendie Gewalt über Tod und Leben war genommen
wor-
» Lcm.l'r. 5-meä, c tt.