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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Die Gnade Gottes sey mit Euch, und allen denEuern, zu ewigen Zeiten!

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Lieber Herr Casper und Landsmann,

Eure Briefe, die Ihr mir geschickthabt, sind mir sehr angenehm gewesen; sonderlich dieweil ich ver-stehe, daß ihr Euer Gemüth und Herz noch nicht von mir abge«wendet habt. Daß Ihr Euch aber verwundert, warum ich indiß Ort (nchmlick gen Constantinopel) kommen bin, könnr Ihrwohl erachten, daß es nicht kleine, sondern große, wichtige Ursachenmüssen gewesen seyn. Ihr wißt ol'ne allem Zweifel wobl. wie ichans des Herrn Friedrichen, Pfalzgrafen Churfürsten am Rhein , Ge-fängniß bin erlediget worden, wie mir Gott von wegen meinerUnschuld so wimderbarlicb geholfen hat, und wie ick in England ,auch in Frankreich keinen sickern Ort habe möge finden. Dannin England, in der Hauptstadt London , kam ich zu den Flammi-schcn, oder Flandrischen, oder N cderländifcken Pr>'di.anten, diedaselbst ein Volk oder Kirche baben, bot ilmen meine Dienste an,doch mit meinem «»bekannten Namen: dieweil ick aber k>inen Ab-schied nicht hatte, wer ich wäre, wo ick her käme, konnte ick nichtsbey ihnen erhalten, mnßte derohalben eine solche lange Schnarchüber Meer, vollends bis gen London , umsonst zugebracht haben.In Frankreich zn Paris < wie der Hochgelebrtc 1'Keopdilus vs-i^pociius. zur selbigen Zeit des Grafen von Solms Praceptor inParis , wohl weiß durfte ich nicht bleiben von wegen der bekann-ten Studenten, sonderlich des Doctors Z5ictn, des jungen Pfalz -grasen Herzog Christophori Praceptoris zn Genf , bey welchem ichausgcrragen bin worden, als der ick ein Feind der rechten neuenLehre und seines lieben Vaterlands sey; welche wenn sie mich ge-wußt hätten, bald würden auf die Fleischbank geopfert haben.

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