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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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bigenmal zu ihren Feindn, geschlagen hätte? Ja sprechen sie, dannim Gefängnisse hat man mir also geantwortet, voluntsrem male-5s6rionis pno f-i^o reputari, als wenn einer im Willen hatt zustehlen, man erwischt ihn in solchem Vornehmen, so sey es gleichso viel, als wenn er schon gestohlen hätte; also sey es auch mitdiesen meinen Briefen: ich hab einmal in Willen gehabt, mich zuihren Feinden zu thun, und daselbst viel Böses anzustiften, in sol-chem Vornehmen sey ich gefangen worden. Derohalbcn so wärewir solches Schreiben zugerechnet, als wenn ich das Werk schonvollbracht hätte. Was dünkt einen? Hier mußt du bleiben, Adam,du kannst dich nicht verantworten. Ich sage, daß ich mit solchenWorten gar nichts gehindert, sondern vielmehr quit, frey, ledigund los gesprochen würde, dieweil er spricht, ich habe mich zu ih«ren Feinden wollen schlagen, und in solchem Vornehmen sey ich ge-fangen worden. Denn da ich höre, daß ^Ivsnus gefangen sey,darum daß wir bey des Weyda Legaten zu Speyer gewesen waren,,lansse ich davon, komme bis gen Presbnrg, und weiter geselle,mich zu Kaufleuten von Debrcycn, dieweil ich aber sehe, daß ichin Siebenbürgen nicht kaun kommen, bedenk ich und beschließe beymir, daß ich wiederum wolle umkehren, wieder, gen Heydelbergziehen, mein Lebelang des Glaubens oder aller andern Sachen hal-ben nichts anznhcben, sondern alles fallen und beruhen lassen;kehre in solchem Vornehmen wieder um, reise fast auf die hundertMeilen wieder zurück, und schlage mich nicht zu des Pfalzgrafen Feinden, sondern Frennden, zn seinem Canzlcr gen Amberg , zeigemich daselbst an, er ladet mich ins Kloster zu Gast, ich komme,versehe mich nichts Böses, so laßt er mich dicselbige Nacht gefan.gen legen. Wie dürfen sie denn sagen, ich sey nach dem Vornch»men des Briefes gefangen worden, indem ich habe wollen zu ihrenFeinden lauffcn. Also sollten sie ihre Rede nach der Wahrheit ge-setzt haben, ob man nehmlich einem solchen sein Vornehmen oderseinen Willen für das Werk solle rechnen, der ihm vorgenommenhat, seinen Nächsten zu tödten, indem er hingeht, so besinnt ersich, bedenkt daß Unrecht ist, kehrt wieder nm, ist ihm leid, daß«r solches Vsruehimn gehabt hat; solte man solchem den Willen

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