handelt. Welche geringe Vorstellung man immer vondem Verhältniß habe, in welcher das gegenwärtige preu-ßische Herrschergeschlecht seiner deutschen Aufgabe gewachsenist, wie viel Wahres auch an der süddeutschen Antipathiegegen märkischen Jntelligenzdünkcl sei — das ist undbleibt doch der einzige Ausweg aus Deutschlands Jam-merzustand, daß Preußen möglichst weit das Naubstaatcn-system absorbire. Wie wenig Zutrauen man immer indynastische Einigungs- und Befreiungs-Methodcn sehe,es ist nicht zu läugnen, daß nach der erbärmlichen Nie-derlage von 1848, von Berlin aus noch mehr Hoffnungauf einen glücklichen Ausgang winkt als von einem Frank-furter Parlamente aus. Und dann handelt es sich jetztgar nicht um die Wahl zwischen zweierlei Mitteln. Zueinem von unten auf anhebenden Befreiungs- und Ver-rinigungs-Versuch liegt nicht das geringste Material da,wogegen noch nie eine so günstige Gelegenheit vorhandenwar, die preußisch deutsche Bewegung vorwärts zu schieben.Es handelt sich nicht um Ab- und Auwägcn, es handeltsich um's Ergreifen der günstigen Umstände, welche unterden gegebenen deutschen Verhältnissen nur überhauptdenkbar sind.
Damit Preußen diesen Rettungsversuch unternehmenkönne, muß Habsburg anderwärts beschäftigt und ent-kräftet sein. Je näher man die Situation ins Auge faßt,desto unschätzbarer und verlockender erscheint sie. In ruhi-gen Zeiten würde ein preußischer Ausdchnungsversuch anDeutschlands Nachbarn lauter entschiedene Gegner finden.Alle diplomatischen Traditionen der alten europäischen