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Juchhe nach Italia! : 1. im Mai; 2. im Juli / [Ludwig Bamberger]
Entstehung
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versäumt und nichts zu spät gekommen sei. Vieles istversäumt und für Manches so fürchten wir istes zu spät. Lernen wir, eilen wir uns zu lernen, dieZeiten rasen schneller dahin als sonst; Selbsterkenntniß ist aller Weisheit Anfang.

Wir Deutsche sind ein gründliches und bescheidenesVolk, aber gründlich sind wir vornehmlich in der Philo-logie und bescheiden gegenüber der hohen Obrigkeit. Inunserem öffentlichen und politischen Gebühren sind wirdie oberflächlichste und -«prahlerischste Nation der Welt.Zeugen die Thorheiten und das lächerliche Geschrei derletzten drei Monate. Glaube man es nur: Wir habenuns in den Augen Europa's und in unsrer internatio-nalen Stellung durch dieses alberne Gebahren einen be-trächtlichen Schaden zugefügt; wir haben uns herzlichblamirt und innern wie auswärtigen Widersachern ge-fährliche Waffen in die Hände geliefert; wir haben aucheine kostbare Zeit für unsere eigenen Angelegenheitenschmählich vergeudet. Wir haben dem Nachbar fürden Fall, daß ihm nach dem Rhein gelüsten solltedurch unsere läppische Franzoscnfresserei auf lange hineinen triftigen Vorwand präparirt. Aber das will nochnicht viel heißen. Denn wer Händel suchen will, derfindet immer einen Vorwand. Aber was viel gefährlicherist: wir haben der Welt gezeigt, daß es mit unseremfurchtbaren Kriegsgeschrei gar wenig auf sich hat. Werim Auslande lebt kann die Ungunst des Eindrucks, wel-chen das Verhalten der Deutschen auf die übrigen Na-tionen gemacht hat, bei weitem am besten beurtheilen.