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Gerhart von Schulze Gaevernitz : eine Darstellung seines Wirkens und seiner Werke
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Militärbehörde verboten,unzensurierte Schriften" aus der Etappemitzunehmen und seine Einreise in das Gebiet derEtappe nicht mehr gestattet.

Wir wissen heute, welche Rolle die Frage des unbe-schränkten U-Bootkrieges für die Entwicklung des Völker-ringens gespielt hat. Erklärte man ihn, so würde Amerika gegenDeutschland eingreifen, und das deutsche Schicksal war damit ent-schieden. Doch nur wenige gab es, die so klar die politischeWirkung dieser militärischen Aktion begriffen. Als hervorragenderKenner englischer und amerikanischer Verhältnisse ist SchulzeGaevernitz einer der ersten, der mit der ganzen Machtseiner Persönlichkeit die Diplomatie Deutschlands darauf hinweist,nur das eine Bestreben zu zeigen: die VereinigtenStaaten vom Kriege fern zu halten. Im Frühjahr 1916begleitet er den Amerikaner Mac Clure nach Konstantinopel, umdort die nötigen Schritte zum Schutz der amerikanischen Schulenund Missionen gegen den türkischen Nationalismus zu unternehmen.Im Sommer desselben Jahres verfaßt er mit Zustimmung des Aus-wärtigen- und des Reichsmarineamtes eine kurze Denkschriftfür die amerikanische Presse, in der er die Grundsätzedes deutschen U-Bootkrieges darlegt. Deutschland, so heißt esdort, unterscheide in Anwendung der U-Bootswaffe ausdrücklichfeindliche und neutrale Schiffe, es müsse als feindliche Kriegsschiffeauch die bewaffneten feindlichen Handelsschiffe torpedieren, beineutralen Schiffen werde es aber die Rechte der Neutralen sowiedie Pflichten der Menschlichkeit respektieren und neutrale Handels-schiffe nur dann versenken, wenn sie Kriegskonterbande führen,je stärker die Bestrebungen der ausschlaggebenden Heeres- undMarinestellen werden, um den verschärften U-Bootkrieg einzuführen,mit desto größerem Eifer wendet sich Schulze Gaevernitz gegendiese Maßnahmen, ist er doch der Ueberzeugung,daß ein Welt-krieg wie dieser nicht militärisch, sondern diplomatisch, nichtaut den Schlachtfeldern, sondern im Weißen Hause zuWashington zur Entscheidung geführt werden würde".Wenndas Schwergewicht der größten Großmacht der Welt indie Wagschale der einen Kriegspartei gelegt" wird, muß seinerMeinung nachdie der andern rettungslos emporschnellen".

So unterbreitet er im Oktober 1916 führenden Männern derFortschrittlichen Volkspartei eine DenkschriftVideant Con-sules", in der es heißt:Rücksichtsloser U-Bootkrieg bedeutetden Krieg mit den Vereinigten Staaten."Vor allem aber unter-schätzt man in Deutschland, wo man so gern den Amerikaner alsDollarjäger abtut, den hochgespannten Idealismus und die natio-nalistische Energie des amerikanischen Volkes." Die VereinigtenStaaten stünden hinter den Alliierten, wie jetzt England hinterihnen steht, als großes und unverbrauchtes Kraftreservoir von derStärke einesdoppelten England".

Liest man heute die kleine SchriftD er Wendepunkt desWeltkrieges", die Schulze Gaevernitz nach dem Kriege ver-öffentlicht, und in der er eine zusammenfassende Darstellung