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Gerhart von Schulze Gaevernitz : eine Darstellung seines Wirkens und seiner Werke
Entstehung
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seiner Bemühungen um Abwendung des Krieges mit Amerikagegeben hat, dann staunt man über die Verständnislosigkeit undKurzsichtigkeit, mit der Deutschland damals regiert wurde. Inden Kreisen der Parteifreunde findet seine Denkschrift zumTeil energische Zustimmung. Max Weber schrieb ihm:Gegendie U-Bootdemagogic muß eingeschritten werden mit Kolben-schlägen von oben, sonst weiß ich nicht, wozu wir Monarchieheißen." Franz von Liszt war skeptischer, wenn er erwiderte:Verbindlichen Dank für Ihr glänzendes Expose, ausgezeichnet, abervergeblich. Lasciate ogni speranza." Trotzdem läßt sich SchulzeGaevernitz nicht entmutigen. Das Auswärtige Amt weiß er hintersich, denn hier war die Stimmung gegen den verschärften ü-Boot-krieg. Am 30. Januar 1917 bestürmt er den Führer der Sozial-demokratischen Partei und Vorsitzenden des Hauptausschusses desReichstages, den Abgeordneten Friedrich Ebert, seinen ganzenEinfluß zur Abwendung des furchtbaren Unheils auf-zubieten, das Deutschland bedroht. Eine Denkschrift, die er Ebertübergibt, formuliert zwingend die Gründe seiner Bedenken gegendie geplanten Maßnahmen:Ein Kompromißfrieden enthält alles,was wir erhoffen können; denn England kämpft um sein Welt-monopol. Geht Deutschland aus dem Kriege als starke, unge-brochene Großmacht hervor, so ist das britische Weltmonopol durch-brochen."Wilson kann den Frieden erzwingen, wenn er willIn Sachen des IJ-Bootkrieges ist Wilson durch seine Erklärungengebunden und kann, wenn wir den rücksichtslosen U-Bootkrieg er-klären, nichts anderes als die diplomatischen Beziehungen zu unsabbrechen." Noch in letzter Minute versucht er sein Heil durchein Kabeltelegramm an die New YorkerEvening Mail", in demer als Forderung die These aufstellt:Germany waits Britainsrecognition of peacc as first among equals instead ofMistress"of the seas." Doch alles ist vergeblich, denn am 31. Januar wirdtrotzdem der unbeschränkte U-Bootkrieg erklärt.

Als Mittelpunkt der inneren Neuorientierung er-kl ärt Schulze Gaevernitz die sofortige zeitgemäße Reform despreußischen Wahlrechts durch Einführung des Reichstags-wahlrechts, um die Geschlossenheit der inneren Front zu erhaltenund die Revolution zu vermeiden. Deshalb verlangt er die Ein-führung des parlamentarischen Systems im Reiche, das, wie er ineinem AufsatzParlamentarismus und Krone" nachweist,in aus-geprägtester Form in Preußen" auf Grund des Dreiklassenwahl-rechts als Junkerherrschaft seit langem existiere. Noch in denTagen der Novemberrevolution 1918 lastete das preußische Drei-klassenwahlrecht,dieses Bleigewicht im Tornister des ausrückendenSoldaten", auf dem deutschen Volke. Gleichzeitig befürworteter im Sommer 1916 die Ermächtigung des Landtags von Elsaß-Lothringen, dem Lande innerhalb des Rahmens der Reichsverfassungdiejenige Verfassung zu geben, die den Wünschen des Landesentspricht, dafür sollten die elsaß-lothringischen Abgeordneten eineErklärung über ihre freiwillige Zugehörigkeit zu Deutschland ab-geben. Er glaubt damit die französischen Bestrebungen auf die