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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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nie tue ihrem unzivilisirten Zustand herauskommen. Beweis auch die Araber,die in ihren Wüsten immer roh und ungebildet waren bis zum 7. saec.,wo siePersien und 8., wo sie Spanien und 9., wo sie das Pundachab eroberten. Vonda ab konnten sie Reichtümer ansammeln: in Arabien waren eie wandernde Hir-ten,später waren sie die Träger höchster Kultur.- Ebenso ist Aegyptens Zi-vilisation nur der Fruchtbarkeit der Nil- Niederungen zuzuschreiben.-Europas Kultur entsteht in den klimatisch günstigsten Ländern. ^ ,<

2). Der wirtschaftliche Auf- und Niedergang ist maasgebend fürdie politische Machtstellung der Staaten untereinander. Beweis hierfür dieWirtschaftsgeschichte der Völker,namentlich die des Mittelalters(Jtalien,Spanien,Holland,Frankreich,England.) ^

3.) Die Verteilung des Reichtums ist von bleibendem Einfluss für

das Gedeihen einer Nation. Belege hierfür finden sich hervorragend in

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Asien. Jndien ist das konservativste Land der Erde,es ist das Land der,

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grössten sozialen Ungleichheiten. Schon vor 3000 Jahren dieselben Zustän-*de,wie heute noch: enormer Reichtum von einzelnen,enorme Armut der Masse.

Die untersten Klassen ( Sudra) blieben unter dem Druck der Armut immer inder grössten Unbildung und schmählichster Abhängigkeit; sie war ausge-schlossen von allen Rechten,hatten auch keinen Anteil an der Kirche derreichen Kasten.- Ebenso war es im alten Peru, Mexico,Argentinien,währendin Europa,wo die Verteilung eine bessere war,keine solchen krassen sozia-len Ungleichheiten zu Tage traten. Aber auch in Europa führten soziale Un-gleichheiten zum Ruin der betreffenden Staaten( z.B. Sparta). Das zeigtauch die Geschichte Roms: hier hat die wachsende Ungleichheit der Vermö-gen und die daraus entstehende Ungleichheit der Kultur die antike Kulturruinirt.- Die Pläne ,bei allen römischen Eroberungen richteten sich aufdie Bereicherung der herrschenden Klassen. Die Folge war die immer zu-nehmende Ungleichheit des Besitzes. Der Grossbesitz schlang den Klein-