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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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hatte noch keine Jdee von einer Volkswirtschaft. Die Vorstellungentstand erst mit und durch das Aufkommen des modernen Staates. -Das Mittelalter kannte Grundherrschaften,die ebenso wie die Wirt-schaften der von ihnen abhängigen Hörigen, meist sich selbst ge-nügten; ausserdem kannte es städtische Wirtschaften, die unterein-ander und mit dem Auslande im Tauachverkehr standen. - Ausser Terri-torium, Sitte und Kulturstufe war ihnen nichts gemeinsam. Oft wa-ren sogar die Beziehungen der einzelnen Städte zum Ausland dank derihnen von fremden Pürsten eingerSumten Privilegien engere und besse-re, als zu einander im Jnlande.

Noch gab es keine Staatsgewalt,die die Wirtschaften erhältund für sie sorgend tätig ist. Es gab also Wirtschaften von Volks-genossen,aber zusammenhanglos unter einander,es fehlte ihnen dieeinheitliche Zusammenfassung: deshalb konnte keine Volkswirtschaft,als die Wirtschaft eines Volkes im Gegensatz zur Wirtschaft andererVölker entstehen. Sie entstand vielmehr, wie schon erwähnt,erst altdem und durch das Aufkommen des modernen Staates.

Als dieser sich entwickelte,zeigte er sich als ein Peind desMittelalters,sowohl im Innern wie nach Aussen. Gegen das Auslandherrschte ein kosmopolitisches Jdeal einer Univeraalmonarchie und- Kirche ,im Innern Peudal- und Korporationawesen. Dar moderneStaat wendet sich gegen diese Prinzipien,indem er an Stelle desmittelalterlichen Vasallentums,besoldete,technisch geschulte Beamtesetzt,die unbedingt von der einen Zentralgewalt abhingen. Hiedurchsichert sich der moderne Staat seine Machtstellung im Jnnem,hie-durch gelang ee den einzelnen Staaten Nationalstaaten zu gründen.

Zur Durchführung dieser neuen Verwaltungaorganisatlon brauchte derStaat Geld und dieses Bedürfnis führte zur Sorge für die Volkswirt-