Autograph 
MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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nismus, sondern ein Organismus! Dieser Gedanke war auch verwandt mitder damaligen Staatsauffassung. Dieser Vergleich ist aber unhaltbar,da er von den wichtigsten Einzelheiten abweicht. Man bezeichnet denmenschlichen Körper als Organismus. Beim phy^ Organismus stirbt derTeil mit dem Ganzen.bei der Volkswirtschaft ist es umgekehrt! Auchwenn eine Volkswirtschaft zu Grunde geht,so bestehen die Einzelwirt-schaften fort. Beim phy. Organismus bedeutet das Ausscheiden einesTeiles dessen Tod( während das Ganze fortbastehen kann), bei der Volks-wirtschaft führt die Ausscheidung einer Einzelwirtschaft deren Unter-gang nicht herbei. Der Unterschied ist: beim phy. Organismus istein Lebenszentrum gegeben,von dem aus allen einzelnen Gliedern dasLeben zufliesst.bei der Volkswirtschaft ist es umgekehrt, da fliesstder Volkswirtschaft von den einzelnen Teilen das Leben zu.

Im Gegensatz zu diesen beiden naturrechtlichen Auffassungensteht die einzig wissenschaftliche,die weder ausgaht von einem einge-bildeten Naturzustand ,noch von einer begrifflichen Ueberordnung desGanzen Über das Einzelne,sondern von der Wirklichkeit: die historisch- empirische Auffassung.

#as zeigt uns nun die Wirklichkeit? Weit entfernt ein idea-les Wesen zu sein,war der Mensch am Anfang ein Wilder! Es herrschtenGewalt,List,Furcht und Aberglaube. Die erste wirtschaftliche Einheitwar die Familie,die sog. Grossfamilie. Die Summe aller einer Haus-gewalt unterworfenen Personen( auch Patriarch. Auffassung genannt.)

Seit 40 Jahren ist zwar nun eine neue Doktrin aufgekommen,die den Aus-gangspunkt nicht in der Familie,sondern in der Horde sieht. Backofenbeweist es damit,dass das Mutterrecht geherrscht habe! nicht der Va-ter hatte das Recht über die Kinder,sondern die Mutter. Ursprünglichgab es keine Ehe,sondern es herrschte die Horde und ein ungeregeltesGeechlechtsverhältnis,die sog. Promlecultas; bei diesem Betrieb ist