Autograph 
MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
Seite
17r
Einzelbild herunterladen
 

17.

Geschlechtatriebes hier zu nennen,denn ohne erstere kein Leben, ohneletztere keine Fortpflanzung! Jedoch absolut gefasst sind vom reinphysiologischen Standpunkt aus diese beiden Bedürfnisse sehr gering,sie werden auf hBherer Kulturstufe aber beeinflusst,vermehrt und ge-steigert durch die dritte Kategorie,das Bedürfnis nach Anerkennungdurch Andere,die hiedur ch die volkswirtsc haftlich wichtigs te wird und

zwar in dreifacher Beziehungt

1) es bestimmt die sog. Lebenshaltung,d.h. die Höhe des Einkommensder verschiedenen Gesellschaftsklasse^,

2) bestimmt das succeeive Fortschreiten der unteren Klassen und damitdes Volkes zu höherer materieller Kultur,

3) macht sich geltend in dem Streben nach Macht und Herrschaft.

" Unter Lebenshaltung,Standard of Life, versteht man das Maasdessen,was eine Bevölkerung oder eine Volksklasse hinsichtlich ihrerErnährung,Kleidung und ihrer übrigen unentbehrlichen und entbehrlichenGenüsse beansprucht." Wie wird nun dieses Mass durch das Bedürfnisnach Anerkennung Anderer bestimmt? Es äussert sich zunächst im Be-reich desselben Standes, sowohl unter den Niedrigen als unter Hohen.Die Menschen wollen dasselbe haben,wie die,denen sie sich gleich-stellen, in ihrer ganzen Lebensweise: darin sehen eie das äussereKennzeichen ihrer Klasse und diesem zu Lieb verzichten sie oft aufdas Notwendigste: hiedurch wird dieses Bedürfnis zur Macht.

stehenden Klassen; dies erscheint den Andern als Luxus; dieser istaber etwas relatives: viele Oenüeae,die den höherstehenden unentbehr-lich scheinen und sind,finden die Tieferstehenden unnötig. Diese Ge-nüsse werden aber bald das Ziel der Sehnsucht der den Höheren zu-nächst Stehenden und dann auch der niederen Klassen. Was früher nurein particulares Bedürfnis war,wird bald ein Bedürfnis der Masse.

Zuerst entstehen höherstehende Bedürfnisse bei den höher