Autograph 
MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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ausgeschlossen,Eintritt in die Ehe mit der Geschlechtsreife ,aberauch bei zivilisirten Völkern des Altertums* Juden, Arier. Bei unzi-vilieirten V8Htem wird durch die Nahrung die Geburtenziffer gere-gelt. ladess hat die zunehmende Kultur der Eheschliessung des öftemeine Schranke gezogen,der Geschlechtsverkehr konnte aber nicht ge-hemmt werden. Solange die Frau gekauft werden musste, musste der Mannzur Eingehung der Ehe einen Besittüaben.Aber solche Ehehindernissesind nicht unbedingt wirksam: oft wurde durch Arbeitsleistung dieGeldleistuag ersetzt und wenn das nicht ging, wurde die Frau geraubt.Ebenso waren polizeiliche Bestimmungen erfolglos 1. Fol. V,VI,VII.Durch die Beschränkung der Eheschliessungen wurde nun die Zahl der un-ehelichen Geburten gemehrt.

Die Einwirkung auf den inneren Menschen durch die Zunahme derKultur wird ein Prohibitiv gegen allzu grossen Bevölkerungszuwachs.

Das zeigt die V Bevölkerungsbewegung bei den höheren Klassen. Die &u-nnhme der Geburten ist hier aus 2 Gründen geringer geworden:

1) infolge der Abnahme der Heiraten,

2) infolge der geringeren Geburtenziffer pro Ehe.

ad 1) ( vgl. Tab. VIII, p. 4) Bei den höheren Klassen ist dasAlter gestiegen, in dem geheiratet wird. Aus welchen Gründen haben nundie Heiraten abgenommen?

a) Die grössere Schwierigkeit bei steigenden gesellschaftlichen An-sprüchen eine Familie zu erhalten. Auf niederen Kulturstufen sind Frauund Kinder Einnahmequellen, jeder Kopf mehr eine Arbeitskraft. Auchdie Ehe unserer unteren Klassen sind oft auf diesem Prinzip aufgebaut-auf höherer Kulturstufe sind Frau und Kinder eine Quelle erhöhterAusgaben.

b) Die steigenden Ansprüche an die Ausbildung und Vorbereitung derAngehörigen der höheren Klassen für ihren künftigen Lebensberuf.