27
c) die Zunahme der Genüsse,die in Konkurrenz tritt mit den Annehmlich-keiten des verheirateten Lebens, das einen grossen Teil seiner ehema-ligen Vorzüge vor dem Einzelleben eingebüsst hat.
d) Die feinere Entwicklung der Gefühle; infolge der Verbreitung fei-nerer Kultur sind die gegenseitigen Ansprüche von Mann und Frau ge-stiegen.
Da der Wohlstand in allen westeuropäischen Ländern zugenommen
^ hat, hätten hier nach Malthus Lehre die Heiraten zunehmen müssen: es
/
/ ist aber meistenteils eine Abnahme zu konstatieren.
^ ad 2) Ist diese Abnahme nicht absolut ausnahmslos, so ist es die Ab-nahme der Geburtenziffer pro Ehe. Seit Mitte der 70er Jahre ist daßfast in allen europäischen Ländern zu beobachtend Tab. X,p.8) ; zu-erst wurde das Sinken der Durchschnittsziffern der Geburten in Frank-reich beobachtet ( Tab. XI i Xll). Allmählich zeigt sich dasselbe beiallen zivilisirten Völkern.
Der Geburtenrückgang bei den höheren Klassen hat aber psycho-logische Gründe: Die Frau der höheren Stände bekommt weniger Kinder,nicht weil sie physisch unfähig ist, sondern keine Kinder bekommenwill. Das war schon bei den alten Römern der Fall, wie uns der Aus-spruch Juvenals sagt: " Doch in vergoldetem Bett kommt keine so leichtin die Wochen. " - Die Gründe, die die Reichen hiezu veranlassen sind:
1) die Konkurrenz öer Genüsse, die das Gebühren als bes. Unbequem-lichkeit erscheinen lassen;
2) eine Verfeinerung in dem Gefühl der Kinderliebe: die Rücksichtdarauf, den bereits vorhandenen Kindern eine bessere Erziehung undoin^ grösseres Erbteil zukommen zu lassen.
Die meisten Kinder gibt es bei den Bergleuten: bei ihnenfüllt die Konkurrenz der Qenüsse ganz weg( Zola: Germinal): je besser